„Nummer zwei“ des Verbrechersyndikats Jalisco Nueva Generación geschnappt

 

Der Sprecher der Bundespolizei, Enrique Galindo Ceballos, berichtet über die Festnahme von Iván Gazarín, Stellvertreter von Kartellboss Nemesio Oseguera Cervantes  (Foto: Unión Jalisco)

Mexiko-Stadt, 18. November 2015 – Er gilt als einer der brutalsten Gangster in Mexiko: Iván Cazarín, stellvertretender Chef des berüchtigten Verbrechersyndikats Cartel Jalisco Nueva Generación (CJNG). Nun wurde er zusammen mit drei Komplizen im Norden des Bundesstaats Jalisco von der Bundespolizei beim Fußballspielen geschnappt.

Cazarín (31) wird u. A. mit dem Abschuss eines Militärhubschraubers Anfang Mai in Verbindung gebracht. Beschuldigt wird er des Mordes, der Entführung, der Schutzgelderpressung und des Diebstahls von Benzin aus dem Rohrnetz von Pemex. Die vier 31 und 19 Jahre alten Männer wurden in der Gemeinde Tlajomulco entdeckt, als sie auf der Straße Fußball spielten und Bier tranken, teilte der Sprecher der Bundespolizei am Mittwochabend mit.

Die Polizei stellte mehrere Waffen, ein Paket mit weißem Pulver, vermutlich Kokain, vier Fahrzeuge und verschiedene Telekommunikationsgeräte sicher.

Der Verhaftung waren monatelange Ermittlungen des Innengeheimdienstes vorausgegangen.   Cazarín, der auch unter dem Namen Victor Hugo Delgado Rentería auftrat, soll auch am Angriff auf einen Militärhubschrauber am 1. Mai in der Gemeinde Villa Purificación beteiligt gewesen sein. 

Die Maschine war auf der Spur von Kartellmitgliedern zu einem Erkundungsflug gestartet. Als die Besatzung eine Fahrzeugkolonne mit bewaffneten Männern entdeckte und sie  stoppen wollte, wurde der Hubschrauber mit Granaten beschossen. Eine Notlandung misslang dem Piloten. Insgesamt kamen acht Militärangehörige und ein Polizist ums Leben.

Die Operation des Militärs gegen das Vebrechersyndikat am vergangenen 1. Mai hatte eine ungeahnte Welle der Gewalt ausgelöst, die 25 Kreise des Bundesstaats überrollte und auf die angrenzenden Bundesstaaten Colima, Michoacán und Guanajuato übergriff. Rund 40 Straßen, darunter auch Autobahnen, wurden von Kartellmitgliedern mit brennenden Bussen, Lkw und Pkw blockiert und elf Banken sowie fünf Tankstellen in Brand gesetzt. Der Schaden ging in die Millionen.

Das Kartell Jalisco Nueva Generación, das 2011 zum ersten Mal in Erscheinung trat, gilt als eines der mächtigsten und brutalsten Verbrechersyndikate Mexikos. Nach Berichten von mexikanischen und amerikanischen Behörden soll es mit dem Sinaloa-Kartell kooperieren. Dessen Chef ist der am 11. Juli aus einem Hochsicherheitsgefängnis im Bundesstaat Mexiko geflohene Drogenbaron Joaquín „El Chapo“ Guzmán. Dem war die Polizei vor ein paar Wochen dicht auf den Fersen – aber „El Chapo“ konnte gerade noch entwischen. (dmz/hl)