Oscar-Gewinner Iñárritu: „Ich folge meinen inneren Dämonen“

Der mexikanische Regisseur Alejandro González Iñárritu in Aktion (Foto: tribecafilm.com)

Von Denis Düttmann

Mexiko-Stadt, 23. Februar 2015 – Mit seiner Filmtrilogie „Amores perros“, „21 Gramm“ und „Babel“ wurde der Mexikaner Alejandro González Iñárritu weltberühmt. Für sein neuestes Werk „Birdman“ erhielt der Regisseur nun seinen ersten Oscar. Wer ist der Mann hinter der Kamera? Ein Porträt

Bis zuletzt hielt Alejandro González Iñárritu die Erwartungen niedrig. „Es ist sehr schwierig, den Oscar zu gewinnen. Es ist wie russisches Roulette oder eine Lotterie“, sagte der mexikanische Regisseur vor kurzem im Interview der Zeitung „Excélsior“. Schon die neun Nominierungen für seinen Film „Birdman“ seien für ihn eine große Ehre.

Allzu bescheiden muss der 51-Jährige sich jetzt nicht mehr geben. In der Oscar-Nacht wurde Iñárritu mit dem Academy Award für die beste Regie ausgezeichnet. „Birdman“ dreht sich um einen abgehalfterten Superhelden-Darsteller, der mit einer Broadway-Produktion seine Karriere wieder ankurbeln will.

„Der Film enthält zwar auch Kommentare und Beobachtungen über die Filmindustrie. Vor allem geht es aber um unsere Rolle als Menschen, mit unseren Stärken und Schwächen. Wir sind Kreaturen, gleichermaßen liebenswert und lächerlich“, so der Regisseur.

Als Radiomoderator begann Iñárritu in den Achtzigern seine Karriere

Iñárritu begann seine Karriere in den 1980er Jahren als Radiomoderator. Er schrieb zunächst Filmmusik, ehe er 1995 sein Debüt „Detrás del dinero“ drehte. Der internationale Durchbruch gelang ihm im Jahr 2000 mit „Amores perros“. Gemeinsam mit Drehbuchautor Guillermo Arriaga baute er den Film mit „21 Gramm“ und „Babel“ zu einer Trilogie über Gewalt, Tod und menschliche Abgründe aus. Für den letzten Teil gewann Iñárritu bei den Filmfestspielen in Cannes den Regiepreis.

Wenig später überwarf er sich mit seinem langjährigen Weggefährten Arriaga. Der Drehbuchautor hatte mehr Anerkennung für seine Arbeit verlangt und gefordert, gleichberechtigt mit dem Regisseur als Urheber der Filme zu gelten.

Für „Biutiful“ (2010) schrieb Iñárritu das Drehbuch selbst. Sein erster spanischsprachiger Film seit „Amores perros“ mit Javier Bardem in der Hauptrolle ging bei der Oscarverleihung 2011 für Mexiko in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film ins Rennen.

„Ich folge meinen inneren Dämonen“

Wie wichtig ihm die Wahrhaftigkeit seiner Filmfiguren ist, erzählte Iñárrito bereits im Jahr 2011 in einem Interview anlässlich des Zürich Film Festivals. „Wenn ich das Skript für einen Film schreibe, passiert meistens etwas sehr Interessantes: Die Charaktere, mit denen ich mich manchmal während Jahren im Geiste beschäftigt habe, beginnen plötzlich, mir Sachen einzuflüstern – Sachen, auf die ich selbst nie gekommen wäre oder die mich sogar abstoßen“.

Auf diese Weise entwickelten seine Figuren quasi ein selbstständiges Eigenleben. „Das muss man zulassen. Man darf sich seinen inneren Dämonen nicht verschließen, sondern muss ihnen folgen. Wenn man Kompromisse eingeht, verrät man seine Filmfiguren. Das ist oftmals auch der Grund, weshalb Filme so schlecht herauskommen“, sagte der Regisseur. Nicht selten würden zu viele Leute versuchen, einem dreinzureden, wie eine Figur sein sollte. „Studiobosse, Produzenten, Marketingleute und so weiter. Sie denken aber nicht an die Glaubwürdigkeit, Echtheit eines Charakters, sondern daran, dass der Film gut vermarktet werden kann. Diesem Druck darf man nicht nachgeben.“

Jetzt hat die Academy Iñárritu ihn mit dem begehrten Regiepreis ausgezeichnet. Damit setzt sich die Erfolgsserie des mexikanischen Films bei den Oscars fort. Zum zweiten Mal in Folge gewannen Mexikaner in dieser Kategorie. Im vergangenen Jahr hatte Alfonso Cuarón für sein Weltraum-Drama „Gravity“ den Goldjungen in Empfang genommen. (dmz/dpa/ds)