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Dramatische Stunden im IMSS-Krankenhaus in Tula nach Stromausfall – 17 Tote

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Von Herdis Lüke

Krankenschwestern versuchen Patienten vor dem steigenden Wasser zu retten (Screenshot)

Tula de Hidalgo/Mexiko-Stadt, 8. September 2021 – Dramatische Szenen spielten sich am Dienstag in der nach starken Regenfällen überfluteten Stadt Tula im Bundesstaat Hidalgo ab. Mindestens 17 Patienten des Krankenhauses der mexikanischen Sozialversicherung IMSS sind in der Nacht zu Dienstag ums Leben gekommen, nachdem sintflutartige Regenfälle und Überschwemmungen die Strom- und damit die Sauerstoffversorgung lahmgelegt hatten.

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Wie der Generaldirektor des IMSS, Zoé Robledo, erklärte, waren mindestens 15 der 17 Toten wegen Covid in Behandlung. Wer konnte, rettete sich aufs Dach. In einem Rennen gegen die Zeit wurden Neugeborene und Frühchen in ihren Inkubatoren auf Boote gebracht. Ärzte, Krankenschwester, Pfleger – wer in der Lage war, half bei der Rettung der Patienten vor den nahenden Fluten. Viele wurden auf Matratzen im obersten Stockwerk gelegt. „Das Wasser stieg und stieg. Wir verloren die gesamte medizinische Ausrüstung… wir bitten um Sauerstoff, wir brauchen Unterstützung, und zumindest die Verlegung von Patienten hat begonnen”, sagte ein Notarzt des Krankenhauses in Tula der Tageszeitung „Milenio“. Wie die Behörden mitteilten, wurden Patienten per Boot aus der Stadt und dann unter anderem in die Landeshauptstadt Pachuca und nach Mexiko-Stadt gebracht.

Die heftigen Regenfälle hatten am Montagabend um 18:00 Uhr eingesetzt. Innerhalb von 20 Minuten trat der Fluss Tula über die Ufer und überflutete schnell die kleine Stadt, in deren Nähe die berühmten Atlanten von Tula stehen. Mehr als 1.000 Sicherheitskräfte waren noch im Einsatz. Von Pachuca, der Hauptstadt des Bundesstaates, wurden etwa 20 Boote zur Unterstützung der Bevölkerung geschickt.

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Die Behörden haben sieben Notunterkünfte eingerichtet. Die Bundesregierung entsandte Kräfte des Verteidigungsministeriums, der Nationalgarde, der Feuerwehr und der Nationalen Wasserkommission (Conagua) zur Verstärkung der lokalen Einsatzkräfte nach Hidalgo.

Am Dienstag waren in der 115.000 Einwohner-Stadt neben dem Zentralkrankenhaus in Tula immer noch neun Stadtteile überflutet, in denen knapp 32.000 Einwohner leben. Die Evakuierungen des Krankenhauses und anderer Gebäude dauerten den ganzen Tag über an. “Es ist 40 Jahre her, dass wir aufgrund von Regenfällen eine so tragische Situation erlebt haben. Wir tun alles Notwendige, um die Bürger zu unterstützen. Das Wichtigste ist, Leben zu retten”, sagte der Gouverneur von Hidalgo, Omar Fayad, auf Twitter. Er appellierte an die Bevölkerung von Hidalgo und Mexiko, die betroffenen Familien mit dem Nötigsten zu unterstützen: „Wasser, nicht verderbliche Lebensmittel, Decken, Matratzen und was immer sie zur Verfügung stellen können.“

Die Lage blieb auch am Mittwoch kritisch, weitere Regenfälle wurden vorausgesagt. Auch die Flüsse Río Rosas und Río Salado traten über die Ufer. Einwohner, die in der Nähe der Flüsse wohnen, wurden aufgefordert, das Gebiet zu verlassen. „Es könnte noch schlimmer werden”, warnte der Gouverneur, der selbst im Wasser landete, als das Boot überschwemmt wurde, in dem er am Dienstag mit einem General des Militärs,  dem Bürgermeister von Tula und dem Chef für öffentliche Sicherheit in Hidalgo unterwegs war, um sich ein Bild von der Lage zu machen. “Ich bin gesund und munter, unverletzt, keine Zwischenfälle und wir arbeiten weiter”, sagte Fayad auf Twitter.

Präsident Andrés Manuel López Obrador hatte die Situation in Tula zu Beginn seiner täglichen Pressekonferenz am Dienstagmorgen als „schwere Überschwemmung” bezeichnet. „In diesem sehr ehrenvollen Beruf gibt es gute Tage, sehr gute Tage, schlechte Tage und sehr schlechte Tage; heute ist einer der letzteren. Ich bin sehr traurig über den Tod von 17 Patienten im IMSS-Krankenhaus, der auf das Überlaufen des Flusses Tula in Hidalgo zurückzuführen ist”, sagte der Präsident. “Im gesamten Tal von Mexiko (Valle de México, damit ist das von Bergen und Vulkanen umgebene Hochland von Mexiko gemeint, in dem auch Mexiko-Stadt liegt , Anm. d. Red.) ist viel Wasser gefallen und es wird weiter regnen. Diejenigen, die in niedrig gelegenen Gebieten leben, sollten vorerst in Schutzräume oder in höher gelegene Gebiete zu Familie oder Freunden ziehen”, riet der Präsident den Betroffenen.

Das Gebiet um Tula und Tepeji del Río ist fruchtbares landwirtschaftliches Gebiet und gilt als einer der wichtigsten Versorger von Gemüse für die Bewohner der Hauptstadt. Bei Tula liegt die archäologische Stätte mit den berühmten Atlanten. Beliebt bei Touristen ist auch das nahe Valle de Mezquital mit den Thermalquellen.

In diesem Jahr wird das zentrale Mexiko von unüblich schweren Regenfällen heimgesucht. Auch Gebiete in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt sind betroffen. So wurde auch Ecatepec überflutet, das vor den Toren von Mexiko-Stadt liegt, ein dicht besiedeltes Industrie- und Wohngebiet. (dmz/hl)

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