Expertenteam fordert weitere Suche nach Studenten

 

Das Expertenteam der IAKMR (v.l.n.r.): Claudia Paz y Paz, Carlos Beristáin, Francisco Cox Vial, Ángela Buitrago und Alejandro Valencia Villa (Foto: almomento.mx)

Mexiko-Stadt, 19. März 2015 – Das Expertenteam der interamerikanischen Menschrechtskommission fordert, die Suche nach den 43 verschleppten Studenten fortzusetzen. Außerdem solle die Tat als Verschwindenlassen eingestuft werden – damit wäre sie völkerrechtlich ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Das Expertenteam der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (IAKMR) im Fall Ayotzinapa hat weitere Ermittlungen zum Schicksal der jungen Leute gefordert. Die Suche nach den 43 Studenten müsse fortgesetzt werden, sagte der Spanier Carlos Beristáin am Donnerstag in Mexiko-Stadt. Gemeinsam mit vier Kollegen untersucht er die Vorfälle in der Stadt Iguala.

Anfang März war die fünfköpfige Gruppe erstmals in den Bundestaat Guerrero gereist, wo die Studenten vor mehr als fünf Monaten verschleppt und mutmaßlich ermordet wurden. „Wir werden versuchen, die Wahrheit über den Fall herauszufinden“, hatte Beristain damals angekündigt. Neben Beristain gehören die kolumbianische Ex-Staatsanwältin Ángela Buitrago, der chilenische Jurist Francisco Cox Vial, die ehemalige guatemaltekische Staatsanwältin Claudia Paz y Paz und der kolumbianische Anwalt Alejandro Valencia Villa der IAKMR-Gruppe an.

Buitrago forderte, das Verbrechen solle als Verschwindenlassen eingestuft werden. Der Straftatbestand setzt die Beteiligung staatlicher Sicherheitskräfte an einer Entführung voraus und gilt völkerrechtlich als Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Familien trauen den offiziellen Ermittlungsergebnissen nicht

Die Justiz hat die Ermittlungen zu dem Fall praktisch beendet. Den Ermittlern zufolge wurden die Ende September verschwundenen Studenten von Mitgliedern der Drogengang „Guerreros Unidos“ gefangen genommen und getötet. Festgenommene Bandenmitglieder sagten aus, sie hätten die Studenten in zwei Lastwagen auf eine Müllhalde gebracht, sie getötet, die Leichen verbrannt und die Überreste dann im Fluss San Juan versenkt.

Als Drahtzieher der Tat werden der Bürgermeister von Iguala, José Luis Abarca, und seine Frau verantwortlich gemacht. Das Politikerpaar soll den Mord in Auftrag gegeben haben, um Proteste der Studenten zu verhindern. Der Fall hatte weltweit Empörung ausgelöst und die Regierung von Staatschef Enrique Peña Nieto in eine Krise gestürzt. Auch fünf Monate nach dem Verbrechen halten die Proteste im In- und Ausland an.

Die Angehörigen der jungen Männer weigern sich jedoch, die offizielle Version der Behörden zum Tathergang zu akzeptieren. Sie fürchten, dass die Regierung den Fall vorschnell zu den Akten legen will und vermuten, dass die Studenten noch am Leben sind und von mexikanischen Sicherheitskräften festgehalten werden. Zuletzt hatte eine von den Angehörigen beauftragte Forensikergruppe aus Argentinien einen Bericht vorgelegt, der Unregelmäßigkeiten bei den offiziellen Ermittlungen beweisen soll. (dmz/ds mit Material von dpa)