Hochrangiger Ex-Polizist im Fall Ayotzinapa festgenommen

Mexiko-Stadt, 8. Mai 2015 – Ein Spezialkommando hat den früheren stellvertretenden Einsatzleiter der Polizei in Iguala festgenommen. Polizisten schnappten den 41-Jährigen in Cuernavaca, der seit Monaten auf der Flucht war. Er soll an der Festnahme der Studenten und deren Übergabe an die Bande „Guerreros Unidos“ maßgeblich beteiligt gewesen sein.

Die Polizei hat einen ehemaligen hochrangigen Polizeibeamten wegen mutmaßlicher Verwicklung in den Fall Ayotzinapa festgenommen. Ermittler spürten Francisco Salgado Valladares in Cuernavaca in Morelos auf, wie die Bundesstaatsanwaltschaft Procuraduría General de la República (PGR) am Donnerstag mitteilte. Der frühere stellvertretende Einsatzleiter der Polizei in der Stadt Iguala war seit dem Massaker an den 43 Studenten vor sieben Monaten auf der Flucht.

Dem 41-jährigen Polizisten wird laut PGR vorgeworfen, an der Festnahme der Studenten und deren Übergabe an die Bande „Guerreros Unidos“ beteiligt gewesen zu sein. Ihm werden organisiertes Verbrechen und Entführung zur Last gelegt.

Den Ermittlern zufolge wurden die Ende September verschwundenen Studenten von Mitgliedern der „Guerreros Unidos“ gefangen genommen und ermordet. Festgenommene Bandenmitglieder sagten aus, sie hätten die Studenten in zwei Lastwagen auf eine Müllhalde gebracht, sie getötet, die Leichen verbrannt und die Überreste dann im Fluss San Juan versenkt. Bislang konnte erst ein Opfer eindeutig identifiziert werden.

Als Drahtzieher der Tat werden der Bürgermeister von Iguala, José Luis Abarca, und seine Frau verantwortlich gemacht. Das Politikerpaar soll den Mord in Auftrag gegeben haben, um Proteste der Studenten zu verhindern. Der Fall hatte weltweit Empörung ausgelöst und die Regierung von Staatschef Enrique Peña Nieto in eine Krise gestürzt. Auch mehr als ein halbes Jahr nach dem Verbrechen halten die Proteste im In- und Ausland an.

Die Angehörigen der jungen Männer weigern sich jedoch, die offizielle Version der Behörden zum Tathergang zu akzeptieren. Sie fürchten, dass die Regierung den Fall vorschnell zu den Akten legen will und vermuten, dass die Studenten noch am Leben sind und von mexikanischen Sicherheitskräften festgehalten werden. Zuletzt hatte eine von den Angehörigen beauftragte Forensikergruppe aus Argentinien einen Bericht vorgelegt, der Unregelmäßigkeiten bei den offiziellen Ermittlungen beweisen soll.

Zudem beschäftigt sich ein Expertenteam der Interamerikanischen Menschenrechtskommission mit dem Fall Ayotzinapa vor Ort in Guerrero und anderen Bundesstaaten. Der fünfköpfigen Gruppe gehörden der spanische Arzt und Psychologe Carlos Beristain, die kolumbianische Anwältin Ángela Buitrago, der chilenische Jurist Francisco Cox Vial, die ehemalige guatemaltekische Staatsanwältin Claudia Paz y Paz und der kolumbianische Anwalt Alejandro Valencia Villa an. Sie wollen den Fall sechs Monate lang untersuchen. (dmz/ds)