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Metro-Unglück: Untersuchungsbericht bestätigt Schlamperei beim Bau

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Bei dem Metrounglück vom 3. Mai in Mexiko-Stadt kamen 26 Menschen ums Leben (Foto: Screenshot/infobae)

Von Herdis Lüke

Mexiko-Stadt, 17. Juni 2021 – Fehlende Bolzen, unfertige Schweißnähte, unterschiedliche Betonarten: Diese Struktur- und Baumängel haben zum Einsturz einer Brücke mit zwei Waggons auf der Linie 12 der Metro am 3. Mai diesen Jahres in Mexiko-Stadt geführt. Zu diesem vorläufigen Ergebnis kommt eine Untersuchung der norwegischen Firma DNV, die von der Regierung der mexikanischen Hauptstadt beauftragt wurde.

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Das Unglück kostete 26 Menschenleben, 25 starben direkt an Ort und Stelle, eine weiteres Opfer erlag eine Woche später seinen schweren Verletzungen. 70 Menschen waren teilweise schwer verletzt worden.

Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Weitere Berichte von DNV würden Mitte Juli und Ende August erwartet, erklärte der Minister für Öffentliche Bauten und Dienstleistungen von Mexiko-Stadt, Jesus Antonio Esteva Medina. Auch steht der Untersuchungsbericht der Hochschule für Ingenieure noch aus, Mexikos höchste eigene Experteninstanz.

“Der Vorfall wurde durch ein strukturelles Versagen verursacht, das mit Mängeln im Bauprozess zusammenhängt”, erklärte Esteva die offensichtliche Schlamperei. So fehlten zum Beispiel Bolzen in den Trägern und Platten der Brücke, Schweißnähte seien ungenügend verschmolzen und verschiedene Arten von Beton beim Bau der Brückenplatte vermischt worden, wodurch sie porös geworden seien. Außerdem habe ein Teil der Arbeiten nicht dem ursprünglichen Bauplan entsprochen. Bemängelt wurden demnach auch ungenügende Kontrollen der ausgeführten Arbeiten.

Dass es schwere Mängel an der wegen ihrer Farbe im Metro-Streckenplan auch als „Goldene Linie“ bekannten L12 gab, darauf hatten Nutzer immer wieder hingewiesen. Laut Financial Times scheinen die Ergebnisse von DNV auch eine Untersuchung der „New York Times“ zu bestätigen, wonach schlecht geschweißte Stahlbolzen, die für die Festigkeit des Hochbahnabschnitts wichtig sind, zu dem Einsturz der Brücke geführt haben. Präsident Andrés Manuel López Obrador und die Gouverneurin von Mexiko-Stadt, Claudia Sheinbaum, hatten die Unparteilichkeit dieses und anderer ähnlich lautender Berichte in Frage gestellt.

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Der Bau der Linie 12 war von Anfang an von Kontroversen begleitet, da die Kosten weit höher waren als erwartet und der Betrieb zwischen 2014 und 2015 wegen zahlreicher Ausfälle unterbrochen werden musste. Die Linie 12 wurde im Oktober 2012, kurz vor Ende der Regierungszeit des damaligen Bürgermeisters und heutigen Außenministers Marcelo Ebrard eingeweiht, der damals zur linken Partei PRD und heute der linksnationalen Regierungspartei Morena angehört. Ihm wurden damals unter anderem Veruntreuung, unzulässige Zahlungen und Machtmissbrauch vorgeworfen. Bevor es zu einer Anklage kam, „flüchtete“ Ebrard in die Heimat seiner französischen Großeltern. Er kehrte erst im Februar 2018, wenige Monate vor den letzten Präsidentenwahlen im Juli desselben Jahres, nach Mexiko zurück und wurde Teil des Wahlkampfteams von López Obrador. Wegen der Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Bau der Linie 12 wurde er jedoch nie angeklagt und auch bisher nicht konkret dazu vernommen.

Sheinbaum sagte bei der Bekanntmachung des vorläufigen Untersuchungsberichts, dass eine Expertenkommission in einem Monat einen Sanierungsplan vorlegen werde. Sie fügte hinzu, dass es Sache des Generalstaatsanwalts der Stadt sei, die Verantwortlichen für den Unfall zu bestimmen. Die Regierungschefin der Hauptstadtversicherte, dass es keine Konfrontation mit Ebrar wegen des Metrounglücks geben werde.

Federführend für den Bau der Linie 12 war die Firma Carso Infrastructure and Construction von Carlos Slim, Mexikos reichstem Unternehmer. Arturo Elías, Slims Schwiegersohn und Sprecher, sagte, er werde keinen Kommentar abgeben, bis die Untersuchung abgeschlossen sei. Slim, einer der engsten Geschäftsfreunde von Präsident López Obrador, baut auch einen Teil des Vorzeigeprojekts des Präsidenten, den Maya-Zug auf der Halbinsel Yucatán. Carlos Slim ist die Sanierung und Restaurierung des Historischen Zentrums von Mexiko-Stadt während der Regierungszeit des damaligen Bürgermeisters (2005-2005) und heutigen Präsidenten López Obrador zu verdanken.

In einer Stellungnahme verteidigte Ebrard den Entwurf und die Ausführung der Linie. Alle Entscheidungen seien auf der Grundlage von „Effizienz und technischer Eignung” von Experten und Beamten getroffen worden. Der Präsident hat den Unfall beklagt, sagte aber, dass „die armen, hart arbeitenden, guten Menschen” in der Gegend, in der die Linie zusammenbrach, „verstehen, dass diese Dinge leider passieren”.

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Das Metrounglück gilt als eine der Hauptursachen für die schwere Niederlage der Regierungspartei Partei Movimiento Regeneración Nacional (Morena) bei den Zwischenwahlen am vergangenen 6. Juni in Mexiko-Stadt, einer historischen Hochburg der Linken. Bis dahin hielt Morena 11 der 16 Bezirke der Hauptstadt, jetzt regiert sie nur noch in sieben. (dmz/hl)

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