Mexiko hat die ärmsten Rentner

OECD pessimistisch: Auch für die Zukunft sieht es nicht besser aus

Mexiko-Stadt, 29. November Ã¢â‚¬â€œ Erst Anfang der Woche hatte die Ministerin für Soziale Entwicklung in Mexiko, Rosario Robles, das staatliche Rentenprogramm „65 und mehr“ öffentlich gelobt: In den ersten zehn Monaten der Regierungszeit von Präsident Enrique Peıa Nieto sei die Anzahl derer, die von diesem Programm profitieren, von drei auf fünf Millionen angestiegen. Doch was das im internationalen Vergleich bedeutet, zeigt  eine in dieser Woche veröffentlichte Studie der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD): Die mexikanischen Rentner sind die ärmsten in allen OECD-Ländern. Und auch für die Zukunft sehe es für die Mexikaner nicht gut aus.

Die OECD-Studie „Rentenpanorama 2013“ sieht zahlreiche Finanzierungsschwierigkeiten für das zukünftige mexikanische Rentensystem: Lediglich 57,7 Prozent der über 65-jährigen im Land, die ihre Berufstätigkeit bis Dezember 2010 beendet haben, bezögen eine Rente. Der gro߸e informelle Arbeitsmarkt verhindere ein stabiles Rentensystem. Selbst wenn Mexikaner während ihrer Berufstätigkeit in Rentensparsysteme einzahlen, tun sie das in der Mehrheit unregelmä߸ig und wenn, dann nur mit geringsten Beiträgen. Daraus ergibt sich laut einer Berechnung der OECD, dass selbst Mexikaner, die erst 2012 ins Arbeitsleben eingestiegen sind und bis zur Pensionierungsgrenze von 65 Jahren arbeiten, bei einem bereinigten Inflationsausgleich von jährlich zwei Prozent und einer monatlichen Renteneinzahlung von 3,5 Prozent ihres Nettogehalts, lediglich eine Rente von 28,5 Prozent ihres Durchschnittsgehaltes erwarten können.

Momentan erhalten 27,6 Prozent der mexikanischen Rentenbezieher lediglich einen Betrag, der unter der Hälfte des durchschnittlichen mexikanischen Haushaltseinkommens liegt. Im OECD-Durchschnitt liegt dieser Wert bei 12, 8 Prozent. Nur in Australien und Südkorea sei dieser Wert höher: 35,5 bzw. 45,6 Prozent der dortigen über 65-jährigen bekommen eine Rentenzahlung, die unter der Hälfte des durchschnittlichen Haushaltseinkommens liege. Wobei in diesen Ländern die Einkommen um ein Vielfaches höher als in Mexiko sei. Das bedeutet, dass die Mexikaner die ärmsten Rentner aller OECD-Länder sind.

Auch beim Renteneinstiegsalter belegt Mexiko einen der letzten Ränge im OECD-Vergleich: Durchschnittlich hören die Frauen in Mexiko mit 68,7 Jahren mit der Arbeit auf. Bei den Männern liegt das durchschnittliche Renteneinstiegsalter noch höher: Sie beenden ihre Berufstätigkeit im Durchschnitt mit 72,3 Jahren. Der OECD-Durchschnittswert liegt bei den Frauen bei 63,1 bzw. bei den Männern bei 64,2 Jahren. Doch eine längere Lebensarbeitszeit sei kein Garant für eine höhere Rente, warnt die Studie.

Die Studie hebt jedoch das im Oktober verabschiedete gesetzliche Rentengesetz positiv hervor. Ob dieses Gesetz erfolgreich umgesetzt wird, bleibe allerdings abzuwarten. Momentan sei es noch zu früh, um beurteilen zu können, ob die Reformen greifen werden. (dmz/mik/hl)  




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