„Mir reicht es“: Mexikos Generalstaatsanwalt gibt seinen Job ab

 

Hat keine Lust mehr: Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam (almomento.mx)

Mexiko-Stadt, 4. März 2015 – Die Ermittlungsarbeit seiner Behörde im Fall Ayotzinapa hat Jesús Murillo Karam viel öffentliche Kritik beschert. Jetzt, da das Verbrechen an den Studenten quasi zu den Akten gelegt wird, legt auch der Generalstaatsanwalt seinen Job nieder. Sein neuer Posten verspricht weniger Trubel.

Gut fünf Monate nach der Entführung und dem mutmaßlichen Mord an den Studenten aus Ayotzinapa tauscht die Regierung die Spitze der Generalstaatsanwaltschaft aus. Der Senat bestätigte am Dienstag Arely Gómez als neue Chefermittlerin. Ihr Vorgänger Jesús Murillo Karam hatte am Freitag seinen Posten zur Verfügung gestellt und war als Amtschef in das Ministerium für landwirtschaftliche, territoriale und städtische Entwicklung gewechselt.

Murillo Karam leitete die Ermittlungen über das Studenten-Massaker von Iguala, die mittlerweile praktisch beendet sind. Den Ermittlern zufolge wurden die Ende September verschwundenen Studenten von Mitgliedern der Drogengang „Guerreros Unidos“ gefangen genommen und getötet. Festgenommene Bandenmitglieder sagten aus, sie hätten die Studenten in zwei Lastwagen auf eine Müllhalde gebracht, sie getötet, die Leichen verbrannt und die Überreste dann im Fluss San Juan versenkt. Als Drahtzieher der Tat werden der Bürgermeister von Iguala, José Luis Abarca, und seine Frau verantwortlich gemacht. Das Politikerpaar soll den Mord in Auftrag gegeben haben, um Proteste der Studenten zu verhindern.

Angehörige der Opfer und Menschenrechtsaktivisten warfen dem Generalstaatsanwalt vor, die Ermittlungen voreilig eingestellt und die mögliche Verwicklung weiterer staatlicher Stellen nicht ausreichend untersucht zu haben. Als Murillo Karam die Vorstellung der Untersuchungsergebnisse mit den Worten „Ya me cansé“ (Mir reicht es jetzt) beendete, werteten das viele Kritiker als Beweis für das mangelnde Interesse der Regierung an der Aufklärung des Verbrechens.

Der Fall hatte weltweit Empörung ausgelöst und die Regierung von Staatschef Enrique Peña Nieto in eine Krise gestürzt. Auch fünf Monate nach dem Verbrechen halten die Proteste im In- und Ausland an. (dmz/ds mit Material von dpa)