Neue Daten: 61.000 Menschen in Mexiko verschwunden

Die 43 Studenten aus Ayotzinapa sind das prominenteste Beispiel der in Mexiko spurlos Verschwundenen (Foto: almomento.mx)

Mexiko-Stadt, 20. Januar 2020 – Mehr als 61.000 Menschen werden in Mexiko vermisst, das sind 50 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Diese Zahlen gab die Nationale Suchkommission in Mexiko-Stadt bekannt. Deren Chefin Karla Quintana bezeichnete diese Daten als „Zahlen des Grauens“. Jede einzelne Zahl stehe für eine schmerzvolle Geschichte sowohl eines Mexikaners wie auch eines Migranten.

Die Organisation Data Cívica kritisierte auf Twitter, die Regierung habe „die Bemühungen behindert und kompliziert gemacht“, das Ausmaß des Problems des Verschwindenlassens im Land zu verstehen“. Sie habe auch versäumt, die Methode zu erklären, mit der die Zahl der Vermissten ermittelt wurde, und ihre Daten nicht der Kontrolle durch die Zivilgesellschaft unterzogen. Quintana wies die Kritik zurück: „Wir haben eine riesige Menge an Informationen, die von der Nationalen Recherchekommission selbst überprüft wurden . . .“ Die Methode zur Berechnung der Zahl der Vermissten in Mexiko werde in den kommenden Wochen veröffentlicht, fügte sie hinzu.

Im Januar vorigen Jahres waren 40.180 Personen als vermisst gemeldet, die aktuelle Zahl beläuft sich 60.053 Menschen. Im Januar 2016 galten noch 27.000 Menschen als verschwunden. Den starken Anstieg erklärte Quintana damit, dass Informationen überarbeitet worden seien, die schließlich zur Aktualisierung der Zahlen geführt hätten. Die Datenbeziehen sich auf den Zeitraum von 2006, als der ehemalige mexikanische Präsident Felipe Calderón den Drogenkartellen den Krieg erklärte, bis 2019. Die meisten Verschwundenen seien in Tamaulipas, Jalisco, Estado de México, Chihuahua, Nuevo León, Sinaloa, Coahuila, Puebla, Guerrero und Veracruz gezählt worden. Knapp drei Viertel der Vermissten seien Männer und etwas mehr als ein Viertel Frauen. Fast ein Drittel der Gesamtzahl der Vermissten – 19.108 – verschwand laut Quintana zwischen 2016 und 2018, den letzten drei Jahren der Regierung Enrique Peña Nieto.

Im Jahr 2019, dem ersten Regierungsjahr des linksnationalen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador (AMLO), seien 9.164 Menschen als vermisst gemeldet worden, von denen 5.184 bisher nicht gefunden wurden, darunter 1.177 Frauen, sagte der Staatssekretär für Menschenrechte und ehemalige Bürgermeister von Mexiko-Stadt, Alejandro Encinas. Allein im Dezember 2018, dem ersten Monat der Regierung von López Obrador, sind laut Encinas 1.124 Leichen in 873 versteckten Gräbern und Massengräbern entdeckt worden. Davon seien 395 identifiziert und 243 an die Familien der Opfer zurückgegeben worden. Die meisten Gräber seien in Sinaloa, Colima, Veracruz, Sonora und Jalisco gefunden worden. Zwischen dem 1. Dezember 2018 und dem 31. Dezember 2019 hätten die Behörden an 519 verschiedenen Orten in praktisch allen 32 Bundesstaaten Mexikos nach versteckten Gräbern gesucht. Im Februar letzten Jahres beschrieb Encinas das ganze Land als ein „riesiges verborgenes Grab“.

Die mexikanische Regierung hat den Ausschuss der Vereinten Nationen für das Verschwindenlassen von Menschen zu einem Besuch in Mexiko eingeladen. Die Regierung wurde im Dezember dafür kritisiert, dass sie ihr Versprechen nicht einhielt, dem Ausschuss den Besuch des Landes zu gestatten und damit Mexikos Ermittlungsverfahren der internationalen Kontrolle zu öffnen. (dmz/hl)