Ölpreistief und Deepwater-Horizon-Desaster zwingen BP zum Sparen

 

Ein BP-Transporter beim Befüllen (Foto: BP.com)

London, 3. Februar 2015 – Nach Shell und ExxonMobil zieht auch BP Konsequenzen aus den niedrigen Ölpreisen: Der Ölkonzern streicht geplante Investitionen und verschiebt Förderprojekte. Ein Dauerthema bleibt die Aufarbeitung der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Auf BP kommen wohl noch höhere Kosten zu als eingeplant.

Der britische Mineralölkonzern BP rechnet mit anhaltend niedrigen Ölpreisen und will deshalb stärker sparen. Es sei sehr wahrscheinlich, dass die Preise für Rohöl mittelfristig nicht groß steigen werden, sagte BP-Chef Bob Dudley am Dienstag bei der Vorlage der Jahresbilanz 2014 in London. Im laufenden Jahr sollen die Investitionen mit 20 Milliarden US-Dollar (17,7 Mrd. Euro) daher geringer ausfallen als zunächst geplant. So will der Konzern etwa weniger für die Suche nach neuen Ölfeldern ausgeben.

Zudem würden Förderprojekte verschoben und der Verkauf von Unternehmensteilen vorangetrieben, kündigte Dudley an. Auch andere Branchengrößen wie Shell, ExxonMobil oder ConocoPhillips zwingt der massive Ölpreisverfall der vergangenen Monate zu Ausgabenkürzungen.

Allerdings legte der Preis pro Barrel (159 Liter) seit Ende der vergangenen Woche wieder etwas zu. Am Dienstagmorgen lag er für die Nordseesorte Brent zur Lieferung im März bei 55,14 US-Dollar und damit 39 Cent über dem Wert vom Montag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI stieg um 25 Cent auf 49,80 Dollar.

Beobachter werteten dies als erstes Zeichen dafür, dass die Strategie des Ölkartells Opec aufgehen könnte. Die Organisation will unter Führung von Saudi-Arabien die US-Schieferöl-Industrie, die den Rohstoff vor allem mit der umstrittenen Fracking-Methode gewinnt, mit Kampfpreisen aus dem Markt drängen.

Bei BP ging der um Sondereffekte bereinigte Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten im Schlussquartal 2014 von 2,8 auf 2,2 Milliarden US-Dollar zurück. Herausgerechnet wurden dabei unter anderem Wertberichtigungen, die BP im Zusammenhang mit den niedrigen Ölpreisen vornehmen musste, sowie eine Neubewertungen der Reserven. Werden diese Größen einbezogen, verbuchte BP sogar einen Quartalsverlust von 969 Millionen Dollar.

Im Gesamtjahr 2014 ging der Gewinn auf 12,1 Milliarden US-Dollar zurück, 2013 waren es noch 13,4 Milliarden. Unter anderem hatte der Konzern unter dem in der Ukraine-Krise verfallenden Rubel gelitten.

Kosten für Deepwater-Horizon-Desaster könnten noch höher ausfallen

Die Folgen der verheerenden Explosion auf der Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko beschäftigen BP weiter. In New Orleans läuft die strafrechtliche Aufarbeitung der Ölkatastrophe vom April 2010. Anfang Januar hatte das US-Gericht erklärt, dass bei der verheerenden Ölkatastrophe insgesamt 3,19 Millionen Barrel Öl ins Meer gelangt waren. Das sind 24 Prozent weniger als die US-Regierung geschätzt hatte. Damit kommt BP wohl mit einer glimpflicheren Strafe davon als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Dennoch übersteigen die zu erwarteten Kosten jene, die BP einkalkuliert hatte.

Bislang rechnet BP mit Gesamtkosten von etwa 43,5 Milliarden US-Dollar für die Aufarbeitung der Ölkatastrophe. Das dürfte kaum ausreichen. Alleine im laufenden Zivilprozesses in New Orleans im Rahmen des „Clean Water Acts“ könnte eine Höchststrafe von 13,7 Milliarden Dollar (11,8 Mrd. Euro) auf den Konzern zukommen. Zuvor hatte BP bereits eine vom US-Justizministerium auferlegte Strafe von 4,5 Mrd. US-Dollar akzeptiert – die höchste jemals verhängte Strafe für ein Umweltdelikt. Zusätzlich muss der Konzern Schadensersatzforderungen von Geschädigten begleichen und für die Bewältigung der Folgekosten der Ölpest aufkommen. Dazu hatten BP im Jahr 2012 Rücklagen in Höhe von 38,1 Milliarden US-Dollar gebildet.