Polizei nimmt weiteren Verdächtigen im Fall Iguala fest

 

Ein Bundespolizist führt Miguel Ángel Landa Bahena ab. (Foto: PGR)

Mexiko-Stadt, 13. April 2015 – Mehr als hundert Verdächtigte wurden bereits im Fall Iguala festgenommen, nun kommt ein weiterer hinzu: Miguel Ángel Landa Bahena soll als Handlanger des „Guerrero Unidos“-Bosses mit für die Entführung und Ermordung der Studenten verantwortlich sein. Bundespolizisten schnappten ihn in der Hauptstadt.

Fast sieben Monate nach der Entführung und mutmaßlichen Ermordung der 43 Studenten aus Ayotzinapa ist ein weiterer Verdächtiger gefasst worden. Bundespolizisten nahmen Miguel Ángel Landa Bahena in Mexiko-Stadt fest, wie die Behörden am Samstag mitteilten. Bei dem Mann handele es sich um einen mutmaßlichen Handlanger des Anführers der Drogenbande „Guerreros Unidos“, welche für die Tat verantwortlich sein soll.

Nach Angaben der Behörden wurde der Verdächtige im nördlichen Hauptstadtbezirk Gustavo A. Madero geschnappt. Demnach trug er eine geladene Waffe bei sich, ließ sich jedoch ohne Widerstand festnehmen. Im Zusammenhang mit dem Verbrechen an den jungen Leuten in Iguala sind bislang mehr als hundert Personen festgenommen worden, darunter 64 Polizisten und 41 Mitglieder der „Guerreros Unidos“.

Die Justiz hat die Ermittlungen zum Tathergang praktisch beendet. Den Ermittlern zufolge wurden die Ende September verschwundenen Studenten von Mitgliedern der „Guerreros Unidos“ gefangen genommen und ermordet. Festgenommene Bandenmitglieder sagten aus, sie hätten die Studenten in zwei Lastwagen auf eine Müllhalde gebracht, sie getötet, die Leichen verbrannt und die Überreste dann im Fluss San Juan versenkt. Bislang konnte erst ein Opfer eindeutig identifiziert werden.

Als Drahtzieher der Tat werden der Bürgermeister von Iguala, José Luis Abarca, und seine Frau verantwortlich gemacht. Das Politikerpaar soll den Mord in Auftrag gegeben haben, um Proteste der Studenten zu verhindern. Der Fall hatte weltweit Empörung ausgelöst und die Regierung von Staatschef Enrique Peña Nieto in eine Krise gestürzt. Auch mehr als ein halbes Jahr nach dem Verbrechen halten die Proteste im In- und Ausland an.

Die Angehörigen der jungen Männer weigern sich jedoch, die offizielle Version der Behörden zum Tathergang zu akzeptieren. Sie fürchten, dass die Regierung den Fall vorschnell zu den Akten legen will und vermuten, dass die Studenten noch am Leben sind und von mexikanischen Sicherheitskräften festgehalten werden. Zuletzt hatte eine von den Angehörigen beauftragte Forensikergruppe aus Argentinien einen Bericht vorgelegt, der Unregelmäßigkeiten bei den offiziellen Ermittlungen beweisen soll.

Zudem beschäftigt sich ein Expertenteam der Interamerikanischen Menschenrechtskommission mit dem Fall Ayotzinapa vor Ort in Guerrero und anderen Bundesstaaten. Der fünfköpfigen Gruppe gehören der spanische Arzt und Psychologe Carlos Beristain, die kolumbianische Anwältin Ángela Buitrago, der chilenische Jurist Francisco Cox Vial, die ehemalige guatemaltekische Staatsanwältin Claudia Paz y Paz und der kolumbianische Anwalt Alejandro Valencia Villa an. Sie wollen den Fall sechs Monate lang untersuchen. (dmz/ds/hl)