Sechs Monate nach Gefängnisausbruch: Mexikos Drogenboss „El Chapo“ wieder geschnappt

 

„El Chapo“ Guzmán bei seiner Festnahme Anfang 2014 (Foto: almomento.mx)

Mexiko-Stadt, 8. Januar 2016 – Es ist tatsächlich gelungen: Ein halbes Jahr lang narrte der Chef des Sinaloa-Kartells Joaquín „El Chapo“ Guzmán Militär und Polizei. Jetzt ist der mächtigste Drogenhändler der Welt den Sicherheitskräften erneut ins Netz gegangen. Ihm droht nun die Auslieferung in die USA.

Nach sechs Monaten auf der Flucht ist der mexikanische Drogenboss Joaquín „El Chapo“ Guzmán Loera erneut festgenommen worden. „Mission erfüllt. Wir haben ihn. Ich möchte den Mexikanern mitteilen, dass Joaquín Guzmán Loera festgenommen wurde“, schrieb Präsident Enrique Peña Nieto am Freitag auf Twitter. „Meine Anerkennung gilt dem Sicherheitskabinett der Regierung für diesen wichtigen Erfolg für den mexikanischen Rechtsstaat.“

Guzmán gilt als der mächtigste Drogenhändler der Welt. Der Chef des Sinaloa-Kartells sei bei einem Einsatz in Los Mochis im Bundesstaat Sinaloa im Westen des Landes gefasst worden, berichtete die Zeitung „Milenio“ unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Soldaten der Marineinfanterie hatten sich am Morgen in der Stadt eine Schießerei mit mutmaßlichen Bandenmitgliedern geliefert. Dabei seien fünf Angreifer getötet und sechs weitere festgenommen worden, teilte das Marineministerium mit. Ob „El Chapo“ bei diesem Einsatz gefasst wurde, war zunächst unklar.

Die USA begrüßten die Festnahme. „Die DEA ist sehr erfreut über die Festnahme von Chapo Guzmán. Wir gratulieren der mexikanischen Regierung und verneigen uns vor dem Mut, der zu seiner Festnahme beigetragen hat“, schrieb die US-Antidrogenbehörde DEA auf Twitter.

Der Chef des Sinaloa-Kartells war vor einem halben Jahr aus einem Hochsicherheitsgefängnis im Zentrum von Mexiko getürmt und seitdem auf der Flucht. Er hatte durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel entkommen können.

Mitte Oktober war das Militär dem Drogenbaron schon einmal dicht auf den Fersen. Im sogenannten Goldenen Dreieck zwischen den Bundesstaaten Sinaloa, Durango und Chihuahua feuerten Marineinfanteristen von Hubschraubern aus auf sein Versteck in einer Ranch, doch die Leibwächter des Kartellbosses konnten den Angriff zunächst zurückschlagen. Zwar verletzte sich Guzmán bei der Flucht, doch die Sicherheitskräfte verloren offenbar seine Spur.

„El Chapo“ könnte jetzt zügig an die USA ausgeliefert werden, wo mehrere Haftbefehle gegen ihn vorliegen. Ein mexikanischer Bundesrichter hat die Überstellung des Kartellchefs an die Vereinigten Staaten bereits genehmigt.

Die Stadt Los Mochis an der Pazifikküste ist bei Touristen, die den Norden Mexikos besuchen, sehr bekannt. Sie ist der Ausgangspunkt zur Eisenbahnfahrt in die weltberühmten Kupferschluchten in der Sierra Tarahumara und durch das Gebiet der Rarámuri-Indianer. Der „Chepe“, wie der Zug genannt wird, führt vom Pazifik nach Chihuahua, in die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaats. Auch Creel, Kreisstadt im Herzen der Sierra Tarahumara, hat sich zu einem wichtigen Durchgangsort für den Drogenransport in die USA entwickelt. (dmz/hl mit Material von dpa)