Papst-Äußerung zur „Mexikanisierung“ empört Außenminister Meade

 

Papst Franziskus hat mit seiner Äußerung über die „Mexikanisierung“ eine Welle der Empörung ausgelöst. (Fotos: almomento.mx; Screenshot: La Alameda)

Mexiko-Stadt, 24. Februar 2015 – „Hoffentlich können wir die Mexikanisierung rechtzeitig vermeiden“, warnt Papst Franziskus angesichts des Drogenhandels in Argentinien. Außenminister Meade spricht von Stigmatisierung und will sich beim Vatikan beschweren. Auch der Erzbischof von Morelia findet die Worte des Papstes „pikant“.

Eine Äußerung von Franziskus zur Ausbreitung des Drogenhandels in Argentinien sorgt für Empörung bei der mexikanischen Regierung. Der Pontifex hatte in einem privaten Schreiben an den Leiter der argentinischen Nicht-Regierungsorganisation La Alameda, Gustavo Vera, vor einer „Mexikanisierung“ Argentiniens gewarnt.

„Hoffentlich können wir die Mexikanisierung rechtzeitig vermeiden. Ich habe mit einigen mexikanischen Bischöfen gesprochen, und die Situation ist erschreckend“, schrieb Franziskus. Die NGO veröffentlichte die Zeilen auf ihrer Homepage. Vera hatte ihn zuvor darüber informiert, dass die Drogendelikte in Argentinien stark ansteigen.

Mexikanische Regierung und Kirchenvertreter empört

Der mexikanische Außenminister José Antonio Meade reagierte verägert. Er sagte am Montag, man sei über die Äußerung traurig und besorgt. Sie stigmatisiere Mexiko, man werde eine diplomatische Note an den Vatikan verfassen. Zudem habe er sich bereits mit dem Apostolischen Nuntius in Mexiko, Christophe Pierre, getroffen, um ihn über das Schreiben zu unterrichten.

Auch der Erzbischof von Morelia – aus dem vom Drogenhandel betroffenen Bundesstaat Michoacán – reagierte enttäuscht. Kardinal Alberto Suárez Inda bezeichnete die Äußerungen des Papstes als „pikant“ und „gewagt“. „Mich verletzt es, dass der Papst, so wie ganz Europa, denkt, dass Mexiko kein gutes Beispiel ist“, sagte Suárez Inda. Die Äußerungen des Papstes würden nicht gerade dazu beitragen, das Bild von Mexiko in der Welt zu verbessern.

Wenn man die Probleme in den Griff bekommen wolle, bedürfe es Geduld, Demut und intelligente Strategien, um die Ursachen zu bekämpfen. Für ein gerechteres und einträchtigeres Land sei außerdem die Mitarbeit der Bevölkerung notwendig. Die Regierung könne zwar Koordinierungsarbeit leisten, aber nicht alles alleine lösen, sagte Suárez Inda.

La Alameda-Chef Vera hingegen verteidigte die Aussage des Papstes: Franziskus habe bloß seine Sorge ausdrücken und nicht das mexikanische Volk, welches er „sehr liebe“, beleidigen wollen, zitierte ihn das argentinische Onlineportal Infobae. Zugleich wolle er aber nicht, dass Argentinien den gleichen Pfad eines „nicht deklarierten Bürgerkriegs zwischen Kartellen“ beschreite.

Vatikan will sich nicht zur Papst-Aussage äußern

Vatikansprecher Federico Lombardi wollte auf Nachfrage die Echtheit des umstrittenen Briefes weder bestätigen noch dementieren. Damit folgte er dem Kurs des Vatikans, keine Kommentare über als privat oder pastoral eingestufte Schreiben des Papstes abzugeben. Es ist jedoch bekannt, dass sich Franziskus um die Drogenprobleme in seinem Heimatland sorgt. Im vergangenen April hatte er in einem Gespräch mit der Richterin der Provinz Chaco im Norden Argentiniens gesagt, dass er die zunehmenden Drogengeschäfte in Chaco und Formosa mit Sorge beobachte. Was das angehe, habe er eine „sehr eindeutige Position“.

Mexiko ist das wichtigste Durchgangsland der Region für den Schmuggel von Drogen von Südamerika in die USA und Kanada. Große Kartelle bestimmen das mexikanische Drogengeschäft. Betroffen sind vor allem die nördlichen Bundesstaaten Tamaulipas, Coahuila und Chihuahua sowie die Staaten Sinaloa, Michoacán und Guerrero im Westen. In dem Drogenkrieg sind in Mexiko nach offiziellen Zahlen seit 2006 mehr als 70.000 Menschen ums Leben gekommen, mindestens 22.000 gelten noch als vermisst. (dmz/ds mit Material von dpa)

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