Papst erkennt ermordeten Bischof Romero als Märtyrer an

 

 Ein Wandgemälde an der Universität von El Salvador zeigt Bischof Óscar Romero (Wikimedia)

Rom/San Salvador, 3. Februar 2015 – Vor 35 Jahren wurde der Bischof Óscar Romero während einer Messe in El Salvador erschossen. Dem Militärregime war er wegen seines sozialen und politischen Engagements stets ein Dorn im Auge. Nun hat Papst Franziskus ihn zum Märtyrer erklärt – und damit den Weg freigemacht für eine Seligsprechung.

Fast 35 Jahre nach seiner Ermordung soll der salvadorianische Bischof Óscar Romero seliggesprochen werden. Papst Franziskus habe den früheren Bischof von San Salvador als Märtyrer anerkannt, teilte der Vatikan am Dienstag mit. Die zuständige Heiligenkongregation erklärte in einem Dekret, dass Romero aus „Hass gegen den Glauben“ getötet worden sei.

Das Martyrium ist – neben dem Nachweis eines Wunders – eine Voraussetzung für die Seligsprechung in der römisch-katholischen Kirche. Einen Termin für die Seligsprechung gibt es noch nicht. Die Erzdiözese von San Salvador begrüßte die Entscheidung. „Das Dekret beschert der Kirche in El Salvador immense Freude“, hieß es auf Twitter. „Wir setzen unsere Gebete fort.“

Das Dekret von Franziskus markiert abermals eine Wende im Kurs des Vatikans. Der Prozess zur Seligsprechung hatte bereits 1997 begonnen, war dann jedoch ins Stocken geraten. Bislang wurde sie stets mit dem Argument abgelehnt, dass Romero aus politischen Gründen umgebracht worden sei und nicht aus Hass auf seinen Glauben. Möglicherweise spielt auch die persönliche Biografie von Papst Franziskus eine Rolle. Jorge Mario Bergoglio hatte in seiner Zeit als Bischof in Argentinien – ähnlich wie Romero – Erfahrungen mit Militärregierungen gemacht und sich zeitlebens für die Armen in der Gesellschaft eingesetzt. Bereits im vergangenen August nannte er Romero einen „Gottesmann, der hoffentlich bald selig gesprochen“ werde.

Bis zu seinem Tod engagierte sich Romero für soziale Gerechtigkeit

Romero war am 24. März 1980 von einem Scharfschützen erschossen worden, als er eine Messe feierte. Er wurde 62 Jahre alt.

Der Geistliche setzte sich für soziale Gerechtigkeit und politische Reformen ein und galt als einflussreicher Gegner des damaligen Militärregimes. Mehrfach hatte er mit deutlichen Worten die Gewalt durch die Militärregierung und die sozialen Missstände in seinem Land verurteilt. In El Salvador wird Romero deshalb schon lange als Heiliger verehrt, weil er für die Armen starb. Noch am Tag vor seinem Tod hatte er „im Namen Gottes“ an die Machthabern appelliert: „Macht Schluss mit der Unterdrückung!“

Vor allem den rechtsgerichteten Todesschwadronen waren die Geistlichen in El Salvador ein Dorn im Auge. „Tue etwas für dein Vaterland – töte einen Priester“, war damals ein weit verbreiteter Slogan unter El Salvadors Rechten. So vergewaltigten und töteten Soldaten 1980 drei Nonnen aus den USA. 1989 verübte das salvadorianische Militär ein Massaker an Jesuiten.

Den Auftrag zu dem Attentat auf Romero soll der Major und spätere Gründer der Arena-Partei, Roberto D’Aubuisson Arrieta, erteilt haben. Der Mord an dem prominenten Bischof löste einen zwölfjährigen Bürgerkrieg zwischen staatlichen Sicherheitskräften, rechten Todesschwadronen und linksgerichteten Guerillaorganisationen aus. Bis 1992 kamen nach Schätzungen der Vereinten Nationen mindestens 75.000 Menschen in den Kämpfen ums Leben. (dmz/ds mit Material von dpa)

Bild Rechts: Im Jahr 2009 erkannte der Staat El Salvador die Verantwortung für die Ermordung Romeros an. Die Zeitung „El Pais“ veröffentlichte dazu dieses Foto (Foto: El Pais / Wikimedia)