Mexiko: „Patricia“ bringt Regen und Sturmfluten – keine schweren Schäden – Gefahr nicht vorbei

Die Einfahrt in den Ort Melaque, nachdem „Patricia“ hier auf Land getroffen ist (Foto: Facebook)

Manzanillo, 23. Oktober 2015 – Der schwere Hurrikan „Patricia“ hat heftigen Regen und bis zu vier Meter hohe Wellen an die mexikanische Pazifikküste gebracht. Tausende Menschen bringen sich vor dem bislang schwersten Wirbelsturm in Sicherheit. Die Regierung schickt Soldaten und Polizisten an die betroffenen Gebiete. Die USA bieten dem Nachbarland Hilfe an. Schwere Schäden werden zunächst nicht gemeldet.

Der Wirbelsturm traf am frühen Freitagabend in der Bucht von Tenacatita in Höhe der Gemeinde Melaque im Bundesstaat Jalisco auf Land, wo Bäume, Lichtmaste, Straßenschildern und Werbetafeln auf die Straßen stützten. „Das Risiko ist weiterhin hoch“, sagte Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong. „Schützen sie sich und folgen sie den Anweisungen des Zivilschutzes“, schrieb Präsident Enrique Peña Nieto auf Twitter.

Der Wirbelsturm der Kategorie 5 ist der bisher schwerste Hurrikan. Nachdem er auf Land getroffen war, erreichte er in den Böen noch immer Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 Kilometer pro Stunde, wie der mexikanische Wetterdienst mitteilte. Das Auge des Hurrikans hatte einen Durchmesser von neun Kilometern und zog mit einer Geschwindigkeit von 24 Kilometer pro Stunde in nord-nordöstlicher Richtung ins Landesinnere.

Das Auge des Hurrikans hatte einen Durchmesser von neun Kilometern (Foto: NASA)

Schwere Schäden aus den betroffenen Bundesstaaten Jalisco, Colima und Nayarit wurden zunächst nicht gemeldet, wie Zivilschutzchef Luis Felipe Puente sagte. Tausende Menschen suchten Schutz in Notunterkünften oder im Landesinneren. Die Regierung verlegte zahlreiche Soldaten und Polizisten ins Gefahrengebiet. Im ganzen Land wurden Sammelstellen für Sachspenden und Lebensmittel eingerichtet.

Die Vereinigten Staaten boten Mexiko angesichts des Supersturms Hilfe an. „Unsere Gedanken sind bei dem mexikanischen Volk. Katastrophenexperten von USAID (Entwicklungshilfe-Agentur) sind vor Ort und bereit zu helfen“, schrieb US-Präsident Barack Obama auf Twitter.

Die mexikanischen Behörden riefen die Bevölkerung auf, Schutz in Notunterkünften zu suchen. Zahlreiche Menschen flohen ins Landesinnere. „Ein Hurrikan der Kategorie 5 kann Autos in die Luft heben und Menschen von der Straße fegen“, sagte der Leiter des Wetterdienstes, Roberto Ramírez de la Parra.

Im Badeort Puerto Vallarta wurden rund 28 000 Touristen in Sicherheit gebracht, wie der Tourismusminister des Bundesstaates Jalisco, Enrique Ramos, der Zeitung „Excélsior“ sagte. Der Großteil sei in Notunterkünften untergebracht worden. Rund 1200 Urlauber wurden demnach in die Provinzhauptstadt Guadalajara gebracht. Am Samstag soll mit Maschinen u. A. des mexikanischen Heeres und der Marine eine Luftbrücke von Puerto Vallarta nach Mexiko-Stadt und alle Bundesstaaten eingerichtet werden, teilte am Freitagabend Transportminister Gerardo Ruiz Esparza mit.

In Badeorten wie hier in Puerto Vallarte schützen Geschäftsleute ihre Läden mit Holzplatten gegen den gewaltigen Sturm (Foto: almomento.mx)

Das Innenministerium veröffentliche eine interaktive Karte, auf der sämtliche Notunterkünfte verzeichnet sind. Auch die Bundespolizei ist in Notfällen unter der Rufnummer 088 erreichbar.

Die Bewohner und Geschäftsleute der Region trafen Vorsorge und verkleideten die Fenster ihrer Häuser mit Holzplatten. Zivilschutzchef Puente rief die Bevölkerung auf, lose Gegenstände zu sichern, die „sich in Geschosse verwandeln könnten“.

Der Wetterdienst warnte vor einem Anstieg des Wasserspiegels, der zu starken Überflutungen führen könnte. In mehreren Bundesstaaten wurde mit Niederschlägen von bis zu 500 Millimetern, was 40 Prozent der Niederschlagsmenge eines Jahres entspreche, und Erdrutschen gerechnet. Auswirkungen zeigte Hurrikan „Patricia“ auch in den Bundesstaaten Guerrero, Michoacán und Oaxaca, wo heftige Regenfälle Erdrutsche und Überflutungen verursachten, die Straßen blockierten. Auch in einigen Bundesstaaten im Landesinnern brachte „Patricia“ heftigen Regen, so in Guanajuato, Durango, Aguascalientes, San Luis Potosí, Zacatecas im zentralen Westen und Nordwesten, Morelos im Süden sowie Hidalgo und Puebla im zentralen Osten und Südosten des Landes. (dmz/hl mit Material von dpa)