Heckler & Koch weist Schuld für illegale Waffenlieferungen von sich

Der Firmensitz des Waffenherstellers in Oberndorf (Foto: Heckler & Koch)

Stuttgart, 8. Mai 2015 – Heckler & Koch hat auf die schweren Vorwürfe gegen den Konzern reagiert: Als Verantwortliche für die illegalen Lieferungen von G-36-Gewehren in mexikanische Bundesstaaten macht der Waffenhersteller fünf Mitarbeiter aus. Eine Schuld des Unternehmens sieht Heckler nicht, verspricht jedoch die Mitarbeiterkontrolle zu verbessern.

Der deutsche Waffenhersteller Heckler & Koch hat auf die Berichte über illegale Waffenlieferungen nach Mexiko reagiert – und jegliche Verantwortung von sich gewiesen. In einer Stellungnahme zum Schlussbericht des Kölner Zollkriminalamtes (ZKA) zu den Exporten von G-36-Gewehren schreibt der Konzern, dass bereits 2012 eine „eine externe Untersuchung des Sachverhalts“ in Auftrag gegeben worden sei, deren Ergebnisse der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt worden seien. Man habe selbst ein erhebliches Interesse daran, dass die erhobenen Vorwürfe geklärt würden.

Laut Heckler & Koch sollen fünf ehemalige Mitarbeiter für die illegalen Lieferungen in die Bundesstaaten Guerrero, Jalisco, Chiapas und Chihuahua verantwortlich sein. Drei von ihnen arbeiteten nicht oder nicht mehr für das Unternehmen. Zwei Mitarbeitern sei gekündigt worden. Eine Schuld beim Unternehmen sieht Heckler & Koch nicht. Jedoch kündigte der Konzern an, das „bestehende Compliance-System des Unternehmens […] auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse“ weiterentwickeln zu wollen.

Die „Süddeutsche Zeitung“ sowie NDR und WDR hatten aus dem noch unveröffentlichten Schlussbericht des ZKA am Donnerstag erstmals Auszüge zitiert und berichtet, dass über Jahre hinweg die deutschen Behörden getäuscht und Tausende G36-Sturmgewehre verbotenerweise in die genannten mexikanischen Bundesstaaten geliefert wurden. Demnach wurden im Zeitraum von 2003 bis 2011 insgesamt 9.472 Gewehre nach Mexiko geliefert – fast die Hälfte der Waffenlieferungen (4.767 Stück) verstieß damit gegen die Auflagen der Bundesregierung, keine Waffen in die genannten Regionen wegen der dortigen Korruption und Organisierten Kriminalität zu liefern.

Die Fahnder zitieren auch aus internen Mails des Waffenkonzerns. „Jalisco und Chiapas sollten nicht erwähnt werden“, schreibt etwa ein Verantwortlicher von Heckler & Koch Anfang 2007 in einer Mail an einen Verkäufer seiner Firma in Mexiko. Die beiden Bundestaaten seien offensichtlich auf der „schwarzen Liste“. Außerdem soll die Waffenfirma falsche Dokumente bei den mexikanischen Behörden bestellt haben, um Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes zu täuschen. Die Zollfahnder kommen zu dem Ergebnis: Verantwortliche von Heckler & Koch hätten die illegalen Exporte „herbeigeführt, gefördert oder zumindest gebilligt“.

Wie die „Süddeutsche“ weiter schreibt, habe das ZKA deshalb empfohlen, fünf frühere Führungskräfte und Mitarbeiter der Firma aus Oberndorf am Neckar wegen „Zuwiderhandlungen“ gegen das Kriegswaffenkontroll- und das Außenwirtschaftsgesetz anzuklagen. Der bislang unveröffentlichte Schlussbericht soll bereits Ende August 2014 an die Stuttgarter Staatsanwaltschaft geschickt worden sein, die das Ermittlungsverfahren leitet. Kenner der Verfahrens rechnen mit einer Anklage in den nächsten Monaten, wie die „Süddeutsche“ weiter schreibt. Auch Heckler & Koch selbst demnach soll mit drei Millionen Euro büßen – so viel hat die Waffenfirma dem ZKA zufolge mindestens an den unerlaubten Exporten nach Mexiko verdient. Die illegalen Gewinne müssten abgeschöpft werden, fordern die Zollfahnder. (dmz/ds)




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