Polizei hält Tempelritter-Kartell für zerschlagen

 

Polizeichef Enrique Galindo im Fernsehinterview (Foto: Noticieros Televisa)

Mexiko-Stadt, 3. März 2015 – Nun da der Boss der „Caballeros Templarios“ hinter Gittern sitzt, hofft die Polizei auf eine Besserung der Sicherheitslage in Michoacán. Ohne Zweifel habe die Gruppe ihre Struktur verloren, sagt der Chef der Bundespolizei. Experten hingegen sehen in der Festnahme eher einen symbolischen Wert.

Mit der Festnahme des Anführers Servando Gómez Martínez alias „La Tuta“ ist das mexikanische Drogenkartell „Caballeros Templarios“ (Tempelritter) nach Einschätzung der Polizei weitgehend zerschlagen. „Der oberste Anführer ist hinter Gittern. Ohne Zweifel hat die Gruppe damit größtenteils ihre Struktur verloren“, sagte der Chef der Bundespolizei, Enrique Galindo, am Montag im Interview des Fernsehsenders Televisa.

Seit Beginn vergangenen Jahres seien über 1.500 Verdächtige mit Kontakten zu dem Kartell gefasst worden. Die Festnahme von „La Tuta“ am Freitag sei der Höhepunkt des Polizeieinsatzes gewesen, sagte Galindo.

Die Tempelritter waren 2011 aus der Familia Michoacana hervorgegangen und kontrollierten zeitweise weite Teile des Bundesstaats Michoacán im Westen des Landes. Im vergangenen Jahr drängten staatliche Sicherheitskräfte und Bürgerwehren die Bande immer weiter zurück.

Peña Nieto: „Wir stärken den Rechtsstaat und streben dem Frieden entgegen“

Auch Präsident Enrique Peña Nieto feierte den Zugriff als Schlag gegen das organisierte Verbrechen. „Mit dieser Festnahme stärken wir den Rechtsstaat und streben dem Frieden in Mexiko entgegen“, schrieb der Staatschef auf Twitter. Von den ganz Großen im Rauschgiftgeschäft sind nur noch wenige auf der Flucht: Ismael Zambada García alias „El Mayo“ und Juan José Esparragoza alias „El Azul“ vom Sinaloa-Kartell sowie der Übervater der mexikanischen Capos, Rafael Caro Quintero.

Dass sich die Sicherheitslage in Mexiko rasch verbessert, darf allerdings bezweifelt werden. Nach den jüngsten Schlägen gegen das organisierte Verbrechen hat sich die Unterwelt diversifiziert. Neben den traditionellen Kartellen mischen nun Splittergruppen wie die „Guerreros Unidos“ und „Los Rojos“ mit. Diese Gangs sind keineswegs weniger gefährlich als ihre großen Brüder, aber ungleich schwieriger zu fassen.

„Die Festnahme von ‚La Tuta‘ hat eher symbolischen Wert“, sagte der Sicherheitsexperte Alejandro Hope der Zeitung „Milenio“. „Das Problem von Michoacán sind die neuen bewaffneten Gruppen, die Fragmentierung und die Schwäche der staatlichen Institutionen.“ (dmz/ds mit Material von dpa)