Polizisten nach Mord an Bürgermeisterkandidat in Michoacán festgenommen

 

Wahlplakat des Bürgermeisterkandidaten Enrique Hernández (Foto: Morena)

Morelia, 21. Mai 2015 – Die Polizei in Yurécuaro wusste offenbar von den Mordplänen am Kandidaten der Linkspartei Morena. Hochrangige Beamte sollen gemeinsame Sache mit einer kriminellen Organisation gemacht haben. Am Tag des Attentats auf Enrique Hernández verließen sie die Stadt und ließen den Todesschützen freien Lauf. Hintergrund war angeblich ein Streit um eine Sandbank.

Im Mordfall des Bürgermeisterkandidaten Enrique Hernández in Michoacán hat die Polizei zwei hochrangige Beamte und einen einfachen Polizisten festgenommen. Der Sicherheitschef der Ortschaft Yurécuaro, sein Stellvertreter und ein weiterer Beamter seien vermutlich in das Attentat auf Enrique Hernández verwickelt, teilte die Staatsanwaltschaft des Bundesstaats mit. Die verdächtigen Polizisten arbeiteten für eine kriminelle Organisation, wie die Ermittler mitteilten. Obwohl sie von den Mordplänen gewusst hätten, hätten sie nichts unternommen und die Stadt an dem Tag des Anschlags verlassen.

Die beiden Anführer der kriminellen Organisation, Adrián Alonso Guerrero Covarrubias und Heraclio Guerrero Martínez, sollen den Mord in Auftrag gegeben haben und wurden ebenfalls festgenommen. Laut der Staatsanwaltschaft soll Hernández mit den beiden einen Streit um die illegale Kontrolle und Verwaltung einer Sandbank in Tinaja de Vargas in der Gemeinde Tanhuato gehabt haben.

Wie die Zeitung „La Voz de Michoacán“ schreibt, sollen die Polizeibeamten von der Organisation mit 10.000 Pesos monatlich bezahlt worden sein, um sie bei der Ausbeutung der Sandbank gewähren zu lassen. Demnach soll bereits der frühere Bürgermeister der Ortschaft, Gustavo Garibay García, mit der Organisation in Konflikt geraten und ebenfalls ermordet worden sein.

Hernández’ Frau streitet Kontakte ihres Mannes zu Kriminellen ab

Hernández’ Frau, Gloria Hernández, hingegen widersprach der Darstellung der Staatsanwaltschaft. Gegenüber dem Sender „W Radio“ sagte sie, ihr Mann habe weder Kontakt zu den Leuten von der Sandbank geschweige denn Probleme mit ihnen gehabt. Sie forderte die Staatsanwaltschaft auf, weitere Untersuchungen zu dem Mord an ihrem Mann anzustellen. Gleichzeitig gab sie bekannt, dass ein enger Vetrauter ihres Mannes, Marco Antonio González, dessen Nachfolge als Bürgermeisterkandidat antreten wird.

Der Kandidat der Linkspartei Morena war am 14. Mai während eines Wahlkampfauftritts aus einem Transporter heraus erschossen worden. Laut der Staatsanwaltschaft des Bundesstaates war der Politiker sofort tot, drei weitere Personen seien verletzt worden. Hernández war ein Anführer der mittlerweile verbotenen Bürgerwehren, die sich vor zwei Jahren gebildet haben, um gegen das Drogenkartell der Tempelritter „Caballeros Templarios“ zu kämpfen.

Wahlkampfendspurt wird überschattet von Mordserie an Politikern

Der Wahlkampendspurt für die anstehenden Regional- und Gouverneurswahlen am 7. Juni wird überschattet von einer Mordserie an Politikern. Am gleichen Tag wie Hernández wurde der Stadtratskandidat der Regierungspartei PRI (Partido Revolucionario Institucional) für die Ortschaft Huimanguillo im Bundesstaat Tabasco erschossen. Héctor Cruz López kam gerade von einem Wahlkampfauftritt nach Hause, als eine Angreifergruppe das Feuer auf ihn eröffnete. Er wurde mit mindestens 20 Schüssen niedergestreckt, schreibt die Zeitung „Excélsior“. Sein Bruder Eloy, der ihn begleitete, überlebte den Angriff, liegt jedoch schwer verletzt im Krankenhaus.

Knapp zwei Wochen zuvor hatten Unbekannte bereits einen Bürgermeisterkandidaten für Chilapa de Álvarez im Bundesstaat Guerrero umgebracht. Ulises Fabián Quiroz, Kandidat von PRI und den Grünen, hatte am 1. Mai gerade eine Wahlkampfveranstaltung in Atzacoaloya verlassen und war auf dem Weg in die Colonia Corral de Piedra, als ihn Schüsse trafen. Er war ebenfalls sofort tot. (dmz/ds/hl mit Material von dpa)