Regierung zahlt Millionenentschädigung wegen Massakers von Tlatlaya

 

Einschusslöcher und Blut am Tatort in Tlatlaya, wo Soldaten mindestens ein Dutzend Menschen exekutierten (Foto: TeleSur)

Mexiko-Stadt, 14. Mai 2015 – Fast ein Jahr nach dem Militärmassaker von Tlatlaya hat die mexikanische Regierung angekündigt, die Angehörigen der Opfer und Überlebenden zu entschädigen. 13 Familien sollen insgesamt zwischen 70 und 80 Millionen Pesos erhalten. Die Untersuchung des Falls habe eindeutig „diverse Menschenrechtsverletzungen“ belegt.

Die mexikanische Regierung wird den Angehörigen der Opfer und Überlebenden des Militärmassakers von Tlatlaya im Juni 2014 eine Entschädigung in Millionenhöhe zahlen. Das teilte der Präsident der Kommission für Opferinteressen, Jaime Rochín, mit. “Die Entschädigungszahlungen werden insgesamt zwischen 70 und 80 Millionen Pesos liegen und unter den 13 Familien – abhängig von dem entstandenen Schaden und der wirtschaftlichen Abhängigkeit vom Opfer – verteilt“, sagte Rochín in einem Interview mit Milenio Televisión.

Am 30. Juni 2014 hatten Soldaten im Bezirk Tlatlaya im Estado de México 22 mutmaßliche Entführer erschossen. Die Verdächtigen hätten die Patrouille angegriffen und die Soldaten das Feuer erwidert, teilte das Verteidigungsministerium damals mit. Kurz darauf sagten Zeugen jedoch aus, dass lediglich ein Verdächtiger während des Gefechts ums Leben gekommen sei. Die anderen hätten sich ergeben und seien nach einem Verhör von den Soldaten aus nächster Nähe erschossen worden. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sprach von „dem schlimmsten Massaker von Zivilisten durch Militärs“ während der laufenden Regierungsperiode.

Wie die Kommission für Opferinteressen nun mitteilte, hätten die anschließenden Untersuchungen „diverse Menschenrechtsverletzungen“ belegt. Mindestens ein Dutzend der Opfer seien getötet wurden, nachdem sie sich bereits ergeben hatten. Die Regierung folgte demnach weitgehend einer Empfehlung der Nationalen Kommission für Menschenrechte CNDH (Comisión Nacional de Derechos Humanos). Diese hatte die willkürliche Hinrichtung von 15 Personen als Menschenrechtsverletzung eingestuft. „Wir haben 13 Opfer identifiziert und deren Familien werden eine Entschädigung für den entstandenen Schaden erhalten“, sagte Rochín weiter.

Drei Soldaten wegen Mordes angeklagt, vier wegen Beihilfe und Amtsmissbrauch

Der Fall hatte landesweit Proteste ausgelöst und die Regierung von Enrique Peña Nieto, der vor seinem Amtsantritt als Präsident den Bundesstaat Estado de México regierte, in eine erste Krise gestürzt. Im vergangenen November wurden schließlich sieben Soldaten der Patrouille wegen des Massakers angeklagt – drei von ihnen, darunter ein Leutnant, wegen Mordes, vier wegen Beihilfe zum Mord und Amtsmissbrauch. Zur Anklage eines hochrangigen Offiziers, der laut Zeugenaussagen ebenfalls beteiligt gewesen sein soll, kam es nicht.

Die sieben Angeklagten sitzen derzeit im Militärgefängnis in Mexiko-Stadt. Ihnen sollte ursprünglich lediglich der Prozess vor einem Militärgericht gemacht werden. Wegen des anhaltenden Protestes von Menschenrechtlern nahm die Bundesstaatsanwaltschaft PGR (Procuraduría General de la República) jedoch eigene Ermittlungen auf und stellte zudem einen Prozess vor einem zivilen Gericht in Aussicht. (dmz/ds)