Regierungskritiker Fariñas fürchtet Neo-Castro-Regime in Kuba

Der Regierungskritiker und Sacharow-Preisträger Guillermo Fariñas im März 2014 in Havanna (Foto: Hvd69 / Wikimedia)

19. Dezember 2014 – Für den führenden kubanischen Oppositionellen Guillermo Fariñas ist die Annäherung zwischen Kuba und den USA nichts als „ein Verrat am kubanischen Volk“. In einem Interview beklagt er, dass die gewaltfreie Opposition in Kuba nicht einbezogen wurde – und fürchtet die Etablierung eines Neo-Castro-Regimes.

Kuba erlebe derzeit Momente des politischen und sozialen Zusammenbruchs, beklagte der kubanische Dissident und Sacharow-Preisträger, Guillermo Fariñas, im Interview mit dem mexikanischen Radiosender Radio Fórmula. Das Zusammentreffen zwischen den Präsidenten Barack Obama und Raúl Castro sei der Versuch ein Neocastro-Regime zu etablieren.

Fariñas erinnerte daran, dass sich der US-Präsident in dem Gespräch mit Castro dazu verpflichtet hatte, dass bei jeder Entscheidung, die die kubanische Gesellschaft betreffe, auch die gewaltfreie Opposition einbezogen werden solle. „Nichts davon ist bislang eingehalten worden, und ich denke wir müssen den gestrigen Tag, den 17. Dezember 2014, als Tag des Verrats an der kubanischen Nation betrachten, sagte Fariñas, der Mitte der Neunziger Jahre mit seinem Hungerstreik weltweit Schlagzeilen machte.

Laut Fariñas müsse die US-Regierung sich „mit dem Teufel und nicht mit Dämonen“ treffen – wobei mit „Teufel“ nicht Raúl Castro gemeint sei. Was das Politische betreffe liege die wahre Macht bei seinem Sohn Alejandro Castro, was das Wirtschaftliche betreffe, bei Luis Alberto Rodríguez. „Mit diesen Leuten muss man sich treffen, nicht mit Marionetten des Neo-Castro-Regimes, welches versucht wird, Kuba aufzuzwingen“.

Ex-Außenminister Castañeda hält Kurswechsel für unausweichlich

Mexikos ehemaliger Außenminister Jorge Castañeda (unter Vicente Fox) verglich Obamas Handeln mit einer „geschickteren oder mehr visionären Sichtweise“, denn auch wenn das politische Regime im Land unverändert bleibe, so seien in Kuba doch „bedeutende Entscheidungen hinsichtlich Demokratie, Menschenrechte und individuelle Rechte, usw.“ unternommen worden.

Er stimmte mit Fariñas darin überein, dass man abwarten müsse, um die wahren Absichten hinter der Annäherung beider Länder erkennen. In Kuba wisse man vom bevorstehenden Ende der venezolanischen Subventionen, sei es, „weil das Geld ausgeht oder weil die Regierung Nicolás Maduro fällt“. Auch Russland käme als Partner wohl kaum mehr in Frage.

Mit Blick auf die schwache wirtschaftliche Situation in Kuba sagte Castañeda, dass die bisherigen Reformen völlig unzureichend seien, um die Wirtschaft zu beleben. Um dies zu ändern seien eine Normalisierung des Verhältnisses zu den USA notwendig sowie, mittelfristig, ein politischer Regimewechsel in Kuba unausweichlich.

(dmz/hl/ds; Foto: Hvd69 / Wikimedia)