Rennboot-Rekord für den Dialog: Düsseldorfer fährt von USA nach Kuba

 

 

Roger Klüh bei seiner Einfahrt in die Bucht von Havanna (Foto: www.14ymedio.com)

Von Guillermo Nova und Denis Düttmann

Havanna, 2. August 2015 – Seit Jahren träumt Roger Klüh von der rasanten Fahrt durch die Straße von Florida. Das diplomatische Tauwetter zwischen den verfeindeten Staaten macht den Rekord nun möglich. Neben sportlicher Höchstleistung geht es ihm auch um Völkerverständigung.

 Als Roger Klüh mit seiner “Apache Star” durch die Bucht von Havanna peitscht, brandet an der Küstenpromenade der kubanischen Hauptstadt Jubel auf. Tausende Menschen applaudieren dem Düsseldorfer, der mit seinem Rennboot gerade einen fast 60 Jahre alten Rekord für die Fahrt von den USA nach Kuba gebrochen hat. Mit Blumenkette um den Hals lässt er sich im Hafen von seiner Familie, Freunden und begeisterten Kubanern feiern.

Nur 160 Kilometer trennen USA und Kuba. Doch zwischen der kapitalistischen Supermacht und der sozialistischen Karibikinsel liegen Welten. Zwar nähern sich die Erzfeinde seit einigen Monaten vorsichtig an, aber die ideologischen Gräben zwischen Washington und Havanna sind noch immer tief.

“Ich bin froh, dass die Vereinigten Staaten auf Kuba zugehen”, sagt Klüh der Deutschen Presse-Agentur am Samstag nach seiner Ankunft in Havanna. “Das hat mir ermöglicht, meinen Traum wahr werden zu lassen.”

Mehr als drei Jahre hatte sich Klüh auf seinen Rekordversuch in der Straße von Florida vorbereitet. Immer wieder jedoch lehnten die US-Behörden seinen Antrag auf eine Genehmigung der Fahrt von Key West nach Kuba ab. Erst die jüngste Entspannungspolitik machte das Projekt möglich. “Es ist eine heroische Geste, so viele Widrigkeiten überwunden zu haben”, sagt der Chef des Nautischen Clubs Hemingway in Kuba, José Miguel Díaz.

Gerade mal eine Stunde und 45 Minuten braucht der Sohn des millionenschweren Düsseldorfer Multidienstleisters Josef Klüh für die Fahrt. Der bisherige Rekord betrug sechs Stunden und 23 Minuten und stammt aus dem Jahr 1958.

Für seinen Höllenritt setzt der ehemalige Eishockey-Profi auf modernste Technik. Sein 15 Meter langes Rennboot verfügt über 2700 PS und ist bis zu 90 Knoten (167 Kilometer pro Stunde) schnell. 1993 und 1994 gewann die “Apache Star” die Weltmeisterschaften in Key West. Zuletzt wurde das Boot aufwendig modernisiert.

Ganz störungsfrei geht die Rekordfahrt trotzdem nicht über die Bühne. Zeitweise verliert das vierköpfige Team den Kontakt zum Begleithubschrauber. Zudem müssen die Männer unterwegs einen Motorschaden beheben. Den Rekord konnte Klüh dennoch nichts mehr nehmen.

Der sportliche Erfolg ist für Klüh an diesem Tag allerdings nicht das Entscheidende. “Ich habe Wichtigeres zu tun, als auf die Uhr zu schauen”, sagt er. Er wolle die beiden Küsten auch im übertragenen Sinn verbinden.

Am 17. Dezember hatten US-Präsident Barack Obama und sein kubanischer Kollege Raúl Castro angekündigt, nach mehr als 50 Jahren Eiszeit die Beziehungen zwischen ihren Ländern zu normalisieren. Vor wenigen Tagen eröffneten in Washington und Havanna wieder Botschaften der beiden Staaten.

Dennoch gibt es noch immer viel Konfliktpotenzial. Das Thema Menschenrechtsverletzungen auf Kuba gehört zu den Knackpunkten, die weiter zwischen Havanna und Washington stehen. Auch das Handelsembargo der USA gegen die Karibikinsel besteht in wesentlichen Teilen fort. “Mit diesem Rekord beginnt eine neue Etappe und eine neue Chance für Hoffnung und Optimismus”, sagt Jachtclub-Chef Díaz. (dmz/dpa/hl)