Rousseff: Petrobras-Skandal kann Brasilien für immer verändern

 

Foto: Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff warnte aber vor einer Dämonisierung des staatlichen Ölkonzerns Petrobras (Foto: almomento.mx)

Brasília/ São Paulo /Brisbane, 16. November 2014 – Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff sieht die Aufklärung des Korruptionsskandals um den staatlich kontrollierten Öl-Konzern Petrobras als wegweisend für ihr Land an. «Ich glaube, das kann Brasilien de facto für immer verändern. … In dem Sinne, dass die Straflosigkeit beendet wird», wurde die erst vor drei Wochen wiedergewählte Staatschefin am Sonntag am Rande des G20-Gipfels in Brisbane von brasilianischen Medien zitiert.

Zugleich warnte sie vor einer Dämonisierung des Öl-Konzerns und anderer Unternehmen. Die absolute Mehrheit der Petrobras-Funktionäre sei nicht korrupt. Es müssten aber diejenigen verurteilt werden, die sich hätten korrumpieren lassen und die, die bestochen hätten. Brasilien ist die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Die Polizei hatte in dem Skandal zuletzt rund 20 Verdächtige festgenommen, darunter mehrere Chefs und Topmanager großer Baukonzerne. Die Firmen sollen illegale Kartelle gebildet und Millionen-Schmiergelder für Petrobras-Aufträge gezahlt haben, die zum Teil an Parteien, darunter auch Rousseffs Arbeiterpartei (PT), geflossen sein sollen.

In São Paulo sind am Samstag tausende Menschen aus Protest gegen die Regierung auf die Straße gegangen. Auf Plakaten warfen die Demonstranten der regierenden linken Arbeiterpartei Rousseffs am Samstag Korruption und Vetternwirtschaft vor. Im Zusammenhang mit dem Schmiergeldskandal um Petrobras forderten sie die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahren gegen die Staatschefin. Diese Forderung wird aber derzeit selbst von der Oppositionspartei PSDB abgelehnt.

Die Polizei bezifferte die Zahl der Teilnehmer auf 10 000. Die Organisatoren sprachen von bis zu 50 000. Es war bereits die zweite Demonstration in São Paulo nach Rousseffs Wahlsieg am 26. Oktober. Die Aktion wurden vor allem über Internet-Foren organisiert. São Paulo ist eine der Oppositionshochburgen in Brasilien. In Rio versammelten sich am Samstag etwa 150 Regierungsgegner. (dpa/dmz/hl; Foto: www.almomento.mx)