Schmiergeldaffäre in Guatemala zieht weitere Kreise – Richterin festgenommen

 

Ex-Staatschef Otto Pérez gilt als Kopf der Bande „La Línea“ (Foto: almomento.mx)

Guatemala-Stadt, 23. September 2015 – Die Schmiergeldaffäre im Zollwesen von Guatemala zieht immer weitere Kreise. Auch Richter sind nun ins Visier der Ermittler geraten und wurden festgenommen. Zudem wurden Teile des Vermögens des früheren Staatschefs Otto Pérez eingefroren.

Wegen Verdachts auf Bestechlichkeit und Rechtsbeugung nahm die Polizei die Richterin Marta Josefina Sierra González de Stalling fest, wie die Generalstaatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte. Sie soll gegen Schmiergeldzahlungen mehrere Verdächtige des Korruptionsrings „La Línea“ auf freien Fuß gesetzt haben. Zwei weitere Richter wurden wegen Bestechlichkeit und illegaler Bereicherung verhaftet.

Ex-Präsident Pérez stand nach Einschätzung der Ermittler an der Spitze von «La Línea». Die Bande soll es Unternehmern ermöglicht haben, gegen Schmiergeldzahlungen Waren am Zollamt vorbei ins Land einzuführen. Dadurch gingen der Staatskasse Einnahmen in Millionenhöhe verloren. Pérez, die frühere Vizepräsidentin Roxana Baldetti und Dutzende weitere Verdächtige sitzen wegen des Falls in Untersuchungshaft.

Ein Gericht fror unterdessen Teile des Vermögens von Ex-Präsident Pérez ein. Sechs Grundstücke und ein Bankkonto über 183 000 US-Dollar (162 000 Euro) würden vorerst beschlagnahmt, teilte der Richter mit. Die Generalstaatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Geld aus illegalen Quellen stammt.

Am Dienstag wurde zudem ein Strafverfahren gegen die frühere Leiterin des Zollamts eingeleitet. Claudia Méndez soll laut Staatsanwaltschaft fünf Prozent der Schmiergeldzahlungen erhalten haben. Die Spitzenbeamtin wies die Vorwürfe zurück. Die belastenden Telefonmitschnitte seien falsch interpretiert worden. Vielmehr habe sie mit ihren Aussagen entscheidend zu den Ermittlungen beigetragen. (dmz/dpa/hl)