Soldaten sollen Rathaus-Besetzer in Apatzingán willkürlich erschossen haben

 

Polizisten nahe dem Rathaus in Apatzingán (Foto: almomento.mx)

Mexiko-Stadt, 8. Januar 2015 (Update) – Bei der gewaltsamen Räumung des Rathauses in Apatzingán hat es laut Zeugenberichten willkürliche Hinrichtungen gegeben. Soldaten und Polizisten hätten Menschen aus nächster Nähe erschossen, nachdem diese sich bereits ergeben hatten. Die Behörden wiesen diese Darstellung zurück.

Nach der gewaltsamen Räumung des Rathauses in Apatzingán im Bundesstaat Michoacán hat ein Zeuge schwere Vorwürfe gegen Soldaten und Polizisten erhoben. Sie hätten nach den Gefechten Menschen aus nächster Nähe erschossen, nachdem diese sich bereits ergeben hatten, sagte er in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht der Zeitung Reforma.

„Was ich gesehen habe, waren keine Gefechte, weil die Zivilisten unbewaffnet waren“, sagte der Augenzeuge der Zeitung. Mindestens drei Menschen seien erschossen worden, als sie sich bereits mit erhobenen Händen gestellt hatten. Auf Fotos war zudem zu sehen, dass mehrere Leichen nebeneinander aufgereiht lagen.

Die Behörden wiesen die Vorwürfe zurück. Es habe keine willkürlichen Hinrichtungen gegeben, sagte der Sicherheitsbeauftragte für Michoacán, Alfredo Castillo. Vielmehr hätten Bewaffnete einen Konvoi der Sicherheitskräfte angegriffen und seien bei der anschließenden Schießerei ums Leben gekommen. Castillo zeigte Videos von dem Vorfall und schloss aus, dass der Tatort nachträglich manipuliert wurde.

Nach offiziellen Angaben waren am Dienstag beim Kampf um das seit zwei Wochen besetzte Rathaus der Stadt Apatzingán neun Menschen getötet worden. Eine Person wurde offenbar überfahren, als Soldaten das Gebäude stürmten. Acht weitere Menschen kamen ums Leben, als Bewaffnete das bereits wieder abrückende Militär angriffen.

Der Fall erinnert an das mutmaßliche Militärmassaker von Tlatlaya im vergangenen Jahr. Damals hatten Soldaten im Bundesstaat México 22 mutmaßliche Bandenmitglieder erschossen. Nach eigenen Angaben waren sie angegriffen worden und hatten das Feuer erwidert. Zeugen sagten allerdings, die meisten Opfer hätten sich ergeben und seien nach einem Verhör aus nächster Nähe erschossen worden.

Besetzer hatten Festnahme des Kartellchefs „La Tuta“ gefordert

Mutmaßliche Anhänger lokaler Bürgerwehren hatten das Rathaus am 22. Dezember besetzt und die Festnahme des Kartellchefs der „Caballeros Templarios“, Servando Gómez alias „La Tuta“, gefordert. Die Selbstverteidigungsgruppen hatten sich im Kampf gegen das organisierte Verbrechen in Mexiko gegründet und waren im vergangenen Jahr in einer neu geschaffenen Polizeieinheit aufgegangen. Zuletzt kam es allerdings immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Fraktionen der Bürgerwehren. Die zwei wichtigsten Anführer, Hipólito Mora und Luis Antonio Torres, sitzen mittlerweile in Haft.

Mitte Dezember waren bei Kämpfen zwischen rivalisierenden Bürgerwehren in der Ortschaft La Ruana elf Menschen ums Leben gekommen, darunter Moras Sohn Manuel. Beide Anführer werfen sich gegenseitig vor, angegriffen zu haben. Nach Angaben der Untersuchungsrichterin liegen jedoch genügend Verdachtsmomente vor, wonach Mora und seine Männer die Waffen gezogen haben. Durch wessen Kugeln Moras Sohn getötet wurde, ist noch nicht bekannt. Bei allen Beteiligten seien Schmauchspuren gefunden worden. (dmz/ds mit Material von dpa; Foto: almomento.mx; aktualisiert am 8.01.14 13:25 Uhr)