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Hamburger Abduljabbar in Tokio: Der Boxer, der keiner sein wollte

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Von Franko Koitzsch

Riad Abduljabbar ist einer aus dem kleinen deutschen Box-Team in Tokio. Der 25-Jährige ist gewaltig stolz, für Deutschland in den olympischen Ring zu steigen. (Foto: Ammar Riad/Facebook)

Tokio, 23 de julio 2021 – Ammar Riad Abduljabbar lässt sich von nichts und niemandem beeindrucken. „Angst habe ich vor keinem. Ich will in Tokio eine Medaille holen“, sagt der Boxer aus Hamburg. Der 25-Jährige gehört zum kleinen dreiköpfigen Aufgebot des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV) bei den Olympischen Spielen. „Ich bei Olympia – unfassbar, wundervoll, ein überragendes Gefühl“, schwärmt der Schwergewichtler. Dabei hatten ihm nicht viele den Sprung nach Japan zugetraut.

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Abduljabbar, geboren im Irak, wollte eigentlich nie ein Boxer sein. „Mein Vater liebt Boxen. Er wollte als Kind boxen. Aber im Irak war das unmöglich. Mir gefiel der Sport nicht so. Aber ich wollte ihm später einen Gefallen tun und bin in Hamburg zum Boxen gegangen. Ich dachte, du wirst Hamburger Meister, dann kann Vater stolz auf dich sein. Und danach hörst du auf.“ Aus dem Hamburger Meister wurde ein norddeutscher, dann ein deutscher Meister. Danach konnte er vom Faustkampf nicht mehr lassen.

Jetzt boxt der junge Mann, der seit 2010 sein Zuhause in Deutschland hat, bei Olympia im Nationaldress mit dem Bundesadler auf der Brust. „Das ist ein besonderes Gefühl. Deutschland ist meine Heimat. Deutschland hat meinen kleinen Bruder gerettet. Er wäre sonst tot“, erzählt der 25-Jährige. „Ich bin ein stolzer Deutscher. Ich bin Deutschland dankbar. Es ist mir eine große Ehre, etwas für dieses Land zu leisten.“

Weil sein Bruder Mukhtar ein Loch im Herzen hatte und ihm im Irak nicht geholfen werden konnte, machte sich sein verzweifelter Vater auf den Weg nach Deutschland. „Allein und zu Fuß. Sechs Monate hat er gebraucht“, berichtet Ammar. „Mein Bruder wurde in Deutschland operiert. Er wurde gerettet, und es geht ihm gut.“ Der Vater holte die Familie nach. Sie wurden Hamburger.

Abduljabbar ist kein typischer Schwergewichtler. Eigentlich war er eine Klasse darunter, im Halbschwergewicht, zu Hause. „Ich hatte immer Probleme mit den 81 Kilo. Meist hatte ich 86, 87 und musste Gewicht machen“, sagt er. Jetzt, im Schwergewicht, geht es bis 91 Kilo, aber fast alle Gegner überragen den 1,80 Meter großen deutschen Meister. „Ich mache meinen Nachteil zum Vorteil“, sagt er. „Ich bin klein, muskulös. Ich kann marschieren und marschieren, und ich bin schneller als die anderen, kann besser Druck machen.“

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Außerdem ist er ein Mentalitätsriese. „Ich bin ein Krieger. Auch wenn mein Körper sagt, ich kann nicht mehr, kann ich einfach nicht aufgeben. Weil mein Kopf sagt: Du musst weitermachen. Du musst!“ Selbst Weltmeister boxen gegen Abduljabbar ungern. Sein unorthodoxer Boxstil mit eingezogenem Kopf, immer im Vorwärtsgang mit schnellen Schlägen aus der Nahdistanz behagt den Rivalen nicht.

„Von einigen wird er wegen seines Stils als Freizeitsportler belächelt“, berichtet sein Heim- und Hamburger Landestrainer Christian Morales. „Ammar ist ein Quereinsteiger im Boxen, hat nie eine Sportschule besucht. Es ist nicht sinnvoll, ihm jetzt technisches Boxen beibringen zu wollen, dann würde man ihn seiner Stärken berauben. So, wie er ist, ist er gut.“

 

Drei Wochen hat er mit dem Team in Myazaki, rund 900 Kilometer südwestlich von Tokio, trainiert. Seit Dienstag ist er im olympischen Dorf. „Wir dürfen nicht raus, nichts unternehmen“, berichtet er über die strengen Corona-Regeln. Sein Vater, sagt Ammar, wollte eigentlich in Tokio dabei sein, seinem Sohn zujubeln. „Es geht leider nicht“, seufzt der Schwergewichtler traurig. Die Melancholie dauert nur Sekunden. Dann sagt er: „Was soll’s. Wir haben hier schließlich einen Auftrag zu erfüllen.“ (dpa/dmz/hl)

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