Tausende Kinder und Jugendliche in Mexiko verschwunden

 

Tausende Kinder in Mexiko werden vermisst – und kehren meist auch nicht mehr zurück. (Foto: angieconscious / pixelio.de)

Mexiko-Stadt, 30. Dezember 2014 – Unvorstellbare Zahlen:  In den vergangen sieben Jahren sind in Mexiko 23.605 Menschen verschwunden, mehr als ein Drittel davon Kinder und Jugendliche. Laut dem Innenministerium sind sie die anfälligste Zielgruppe für Entführungen. Viele von ihnen fallen dem Organhandel oder der sexuellen Ausbeutung zum Opfer.

In den vergangen sieben Jahren sind in Mexiko 23.605 Menschen verschwunden, davon 8.239 Neugeborene, Kinder und Jugendliche. Dies geht aus der Nationalen Datenerfassung für vermisste Personen (RNPED) des mexikanischen Innenministeriums hervor. Diese Daten wurden im Zeitraum von 2007 bis Oktober 2014 erhoben. Demnach sind Kinder und Jugendliche die anfälligste Zielgruppe für Entführungen. Viele von ihnen fallen dem Organhandel oder der sexuellen Ausbeutung zum Opfer.

Wie aus den Daten der RNPED deutlich wird, wurden insgesamt 2.675 Kinder im Alter von 0 bis vier Jahren als vermisst gemeldet. In der Alterklasse zwischen fünf bis neun Jahren sind rund 302 Kinder verschwunden. Zwischen 10 und 14 Jahren beläuft sich die Zahl auf 1.475 vermisste Kinder. Bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren wurden sogar 3.787 Vermisstenfälle gemeldet. Viele von ihnen kommen nie zurück.

Das erzwungene Verschwinden von Menschen sei eine gravierende Menschenrechtsverletzung, sagte Angelica de la Peña, Abgeordnete der Partei für Demokratische Revolution (PRD) und Vorsitzende der Kommission für Menschenrechte von Kindern. Sie räumte ein, dass mehr als 70 Prozent der vermissten Kinder nach der Scheidung oder der Trennung von Mutter oder Vater entführt werden. Die restlichen 30 Prozent werden verschleppt, um sie im In- oder Ausland an Adoptiveltern zu verkaufen, sie sexuell zu missbrauchen oder manchmal sogar ihre Organe in die USA zu schmuggeln. 

Kinderhändler verkaufen Babys an kinderlose Paare 

Wie die Nationale Stiftung zur Ermittlung von entführten oder verschwundenen Kindern aus Mexiko-Stadt berichtet, verkaufen Kinderhändler Neugeborene und Babys zumeist an kinderlose Paare. Die vier- bis elf-Jährigen werden zum Betteln auf die Straße geschickt, während die zwölf- bis 18-Jährigen häufig in Bordellen landen. Manchmal verkaufen Eltern ihre Kinder sogar selbst oder „verleihen“ sie an Leute, die sie auf die Straße zum Betteln schicken. Dies kommt besonders bei Eltern vor, die vom Land in die Stadt kommen und keine Arbeit finden.

Um Kinder vor den Risiken einer Entführung zu schützen, hat die Nationale Stiftung zur Ermittlung  von entführten und verschwundenen Kindern eine Aufklärungskampagne an den Schulen in den Bundesstaaten Estado de México, Veracruz und Puebla ins Leben gerufen. Den Eltern der Kinder wird unter anderem empfohlen, dass ihre Kinder möglichst an sicheren Orten spielen lassen sollten. Auch das Hochladen von Fotos ihrer Kinder in den sozialen Netzwerken solle aus Sicherheitsgründen vermieden werden. 

Die meisten Vermissten im Bundestaat Tamaulipas 

Was die Zahl der vermissten Erwachsenen angeht, wurden in den letzten sieben Jahren 6.775 Frauen und 16.830 Männer als vermisst gemeldet. Allein in diesem Jahr wurden rund 4.936 neue Vermisstenfälle bekannt. Die meisten Vermissten werden im Bundesstaat Tamaulipas mit 5.293 registrierten Fällen gesucht. Danach folgt der Staat Jalisco mit 2.139 gemeldeten Vermissten, Estado de México mit 1.730, Coahuila mit 1.428, Sinaloa mit 1.393 und Baja California mit 1.157 Vermissten.

Doch auch die Staaten mit niedrigerer Kriminalitätsrate weisen einen Anstieg der Zahl  verschwundener Menschen auf. So zum Beispiel der Bundesstaat Querétaro mit 233 Vermissten, von denen mehr als die Hälfte in den letzten zwei Jahren verschleppt wurden. Ähnlich ist die Situation in Coahuila: 76 Menschen wurden als vermisst gemeldet, 69 von ihnen in den Jahren 2013 und 2014.

Nach Einschätzung von Menschenrechtsgruppfen dürften viele von ihnen von den Drogenkartellen verschleppt oder sogar getötet worden sein. Der jüngste Fall der 43 verschleppten und mutmaßlich ermorderten Studenten aus Ayotzinapa ist nur ein Beispiel dafür.

Weitere Informationen sind auf der Seite des Innenminsteriums Segob unter https://www.secretariadoejecutivosnsp.gob.mx/es/SecretariadoEjecutivo/ConsultaPublica sowie unter der Seite der Nationalen Stiftung zur Ermittlung von gestohlenen und verschwundenen Kindern https://ninosrobados.org.mx/ zu finden.  (dmz/as/hl/ds)