TV-Komiker Morales gewinnt Präsidentenwahl in Guatemala

Jimmy Morales (2. v. lks.) dankt nach seinem Wahlsieg seinem Team und dem Volk (Foto: Twitter)

Guatemala-Stadt, 26. Oktober 2015 – Der TV-Komiker Jimmy Morales hat die Stichwahl um das Präsidentenamt in Guatemala deutlich gewonnen. Der Kandidat der nationalistischen Partei FCN profitiert von der Wut vieler Wähler auf die traditionellen Politeliten Guatemalas. Auf den 46-Jährigen warten viele Aufgaben. Vor allem muss er das Vertrauen in die staatlichen Institutionen wieder herstellen.

Der Kandidat der nationalistischen Partei FCN kam auf 69,05 Prozent der Stimmen, wie das Wahlamt am Sonntag nach der Auszählung fast aller Urnen bekanntgab. Auf Sandra Torres von der sozialdemokratischen Partei UNE entfielen demnach 30,95 Prozent der Stimmen.

Die frühere First Lady räumte ihre Niederlage ein. „Das Volk hat entschieden und wir respektieren das», sagte sie am Sonntagabend. „Wir erkennen den Triumph des Kandidaten Morales an.“

Mit nur gut 51 Prozent lag die Wahlbeteiligung deutlich hinter der ersten Runde im September. Damals waren 70,38 Prozent der Guatemalteken zur Wahl gegangen, so viele wie niemals zuvor.

Der politische Newcomer Morales profitierte von dem Verdruss vieler Guatemalteken über die korrupten Politeliten. Ex-Präsident Otto Pérez und seine frühere Stellvertreterin Roxana Baldetti sitzen wegen Schmiergeldvorwürfen in Untersuchungshaft. Sie sollen sich über einen Korruptionsring im Zollwesen bereichert haben.

Der 46-jährige Wahlsieger steht vor großen Herausforderungen. Er muss das Vertrauen der knapp 15 Millionen Guatemalteken in die Institutionen des Landes wieder herstellen, die schwere Kriminalität bekämpfen und die Staatseinnahmen in Mittelamerikas größter
Volkswirtschaft erhöhen.

Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 3478 US-Dollar gehört Guatemala zwar zu den Ländern mit mittlerem Einkommen, allerdings gelten über die Hälfte der Menschen als arm. Die Staatsverschuldung legte zuletzt deutlich zu. Nach Angaben der Weltbank hat das Land mit zwölf Prozent die niedrigste Steuerquote weltweit. Gemessen an der Größe der Volkswirtschaft sind die öffentlichen Ausgaben nirgendwo so gering wie in Guatemala.(dmz/dpa/hl)