11. VW Vintage Treffen 2014: Käferleidenschaft auf mexikanisch

Text und Fotos von Andrea Schneider

Mexiko-Stadt, 24. November 2014 – Die Motoren brummten, das Chrom blitzte und die Besitzer strahlten: Beim 11. VW Vintage Treffen 2014 konnten die Besucher am vergangen Sonntag nostalgische VW-Karossen im Colegio Alemán Alexander von Humboldt bestaunen. Eingeladen hatte der Club Karmann VW Vintage zum Wettbewerb der schönsten und originellsten Käfer, die in ganz Mexiko noch auf den Straßen rollen. Zusammen kamen über 200 Schmuckstücke, die in einem „Eleganz-Wettbewerb“ um die Wette strahlten.

Käferliebhaber in Mexiko-Stadt gibt es viele. Schon um 10:00 Uhr morgens, zum Einlass des VW Vintage Treffens 2014, war der Parkplatz der Deutschen Schule in Xochimilco voll. Besucher schlängelten sich bereits zwischen die ausgestellten Käferlieblinge, warfen Blicke auf die Innenausstattung, inspizierten die Motoren und konnten mit den Besitzern so richtig fachsimpeln. Hier und da knatterte aus verschiedenen Richtungen der altbekannte Sound des Käfermotors. Zur Freude der begeisterten Besucher. Und zum Stolz der Besitzer. Eingefleischte Fans nahmen auch die Unterseite des Käfers unter die Lupe, mit Fotoapparat. So etwas muss man doch den Freunden zu Hause zeigen.

Von VW bis Mustang: Klassiker in allenFacetten

Der Club Karmann VW-Vintage veranstaltet seit 2003 jährlich ein Treffen für Liebhaber klassischer VW-Autos. Mit wachsendem Interesse. Waren es 2012 noch knapp 100 VWs, so stellte der Club am Sonntag bei der 11. Ausgabe des VW Vintage Treffen rund 213 VW-Modelle zur Schau. Neben dem Käfer versammelten sich auch Besitzer mit ihren „Schätzen“ der Marken VW-Kombi, Safari, Karmann Gia, Squareback und Brasilia auf dem Gelände der Deutschen Schule. Zu den Besucherattraktionen gehörte der sandgelbe Kommandeurwagen von 1944 und der tarnfarbene Kübelwagen, Baujahr 1943. Der Kommandeurwagen hat sogar noch einen Verbandskasten, ein Telefon und eine tragbare Heizung (damals gab es noch keine eingebaute Heizung im Auto), alles Originalteile. Auch der Kübelwagen machte bei vielen Besuchern die Show. Im Innenraum befinden sich noch vier Gewehre und an der Seite der Motorhaube eine Originalschüppe, die die deutschen Soldaten im Notfall benutzten.

„Herbie“, der perlweiße Käfer aus dem bekannten Disneyfilm mit der Nummer 53, war übrigens auch mit dabei. Das freute die Kinder, die auf dem Treffen 2014 nicht zu kurz kamen. Die kleinen VW-Fans konnten in detailgetreuen Mini-VW-Kombis schon mal das pure VW-Feeling testen.

Neben den VW-Schönheiten konnten die Besucher auch 50 extravagante Modelle der Marken Mercedes Benz, Dodge, Jaguar und Mustang bewundern.

Star des Tages: Der Prototyp aus Wolfsburg

Star des Tages war indes der Prototyp VW 30, der bei der Eröffnungsfeier des 11. VW Vintage Treffens 2014 den Besuchern erstmalig vorgestellt wurde. Ausführlich erzählte Heini Wanzke, Vorsitzender des Clubs Karmann VW Vintage, die Geschichte des blauen Automobils, das als Vorlage für den VW-Käfer diente: Der Prototyp VW 30 wurde 1937 im Auftrag von Adolf Hitler von Fernand Porsche entworfen. Das „VW“ steht hierbei für „Versuchswagen“. Insgesamt wurden 30 Modelle gebaut, davon 29 Limousinen und ein Cabrio. Die Versuchswagen wurden ausgiebig in Deutschland getestet; insgesamt haben die Modelle 2,4 Millionen Kilometer auf dem Buckel. Doch jedes einzelne Modell hatte nur 22 PS und schaffte es gerade mal auf 100 km/h. Nach den Proben wurde der Prototyp umgebaut und der erste Käfer war fertig. Die restlichen Versuchswagen wurden zerstört. Die einzige Nachbildung des Modells, zurzeit in Mexiko, hat ihr zu Hause im Museum Zeithaus in der Autostadt Wolfsburg.

Doch wie kam der Prototyp VW 30 nun nach Mexiko? „Auf meiner Reise zusammen mit Alejandro Rubio, Präsident des Clubs Karmann VW Vintage, besuchten wir das Museum Zeithaus in Deutschland“, erzählte Heini Wanzke mit freudiger Stimme. Als sie den VW 30 sahen, schlugen ihre Herzen höher.  „Uns war klar: das Auto möchten wir einmal in Mexiko haben. Im Club. Mexiko sollte den Prototypen sehen. Als wir wieder in Mexiko waren, schrieben wir einen Brief nach Deutschland und fragten, ob wir das Auto für unser heutiges VW Vintage Treffen 2014 in Mexiko ausstellen dürfen.“

Und es klappte. Mit freundlicher Unterstützung des Museums Zeithaus wurde „La Tata“ (Großväterchen), so wie die Mitglieder des Clubs Karmann VW Vintage das Auto liebevoll nennen, nach Mexiko verschifft. Für den Prototypen war dies seine erste Reise nach Amerika. Mit Erfolg: Das begeisterte Publikum klatschte und jubelte bei der Eröffnungsfeier. Unzählige Kameras klickten von allen Seiten und die interessierten Besucher rückten dem Star des Tages auf die Pelle, um auch wirklich alle Details vor die Linse zu bekommen.

Der Geruch von Bratwurst und Tacos stieg in die Nase. In zwei Zelten, eins mit mexikanischer und eins mit deutscher Flagge, konnten sich die Besucher kulinarisch verwöhnen lassen. Neben der Käferschau hatten Ersatzteilhändler ihre Zelte aufgeschlagen. Von Spiegel über Pedale bis hin zu Gangschaltungen gab es alles, was der Käferbegeisterte für seine Lieblinge braucht. Wer vom Käferfieber schon ganz geschafft war, konnte zu guter Oldie-Musik auf dem Rasen ein Nickerchen halten.

Käfergeschichten

So auch die Käfer. Einige der Auto-Schätze auf dem Festgelände schlummerten noch unter einer Plane und warteten darauf, enthüllt zu werden. Ihre Besitzer erzählten dem Publikum ihre Geschichte, wie sie ihre Käfer gefunden und was sie alles an ihren Lieblingen erneuert haben.

Jorge Sánchez zum Beispiel, ergatterte seinen VW-Sedan im Internet. „Ich habe ein guterhaltenes, altes Auto gesucht und habe diesen Volkswagen gefunden“, erklärte er strahlend den Besuchern. „Volkswagen hat mir schon immer gut gefallen, die ganze Welt hatte einen Volkswagen. Es ist eine Ikone“, schwärmte Sanchez. „Insgesamt habe ich 25.000 US-Dollar investiert. In Karosserie, Lackierung und Originalersatzteile. Zwar kann ich das Auto nicht jeden Tag fahren, aber wenn ich damit fahre, hab ich einfach großen Spaß“.

Anders ist die turbulente Geschichte von Marcela Ruíz und ihrem Käfer: „Es ist ein Modell von 1971. Mein Vater schenkte es mir, als ich mein Studium zum Lehramt beendet hatte. Das war 1975“, erzählte sie, ein wenig mit zittriger Stimme. „ Sie haben es mir dreimal gestohlen“, fuhr sie fort. „ Das erste Mal war es 1976 und zwei Jahre danach fand ich es auf dem Abschleppplatz. Alle Teile waren weg. Nur der Motor war noch da. 2001 wurde es schon wieder gestohlen. Nur wenige Straßen entfernt von meiner Arbeit wurde er gefunden. Und das letzte Mal musste mein schönes Auto für eine Entführung herhalten. Aber zum Glück habe ich meinen Käfer jedes Mal wiederbekommen“.

Eleganz im Test

Abschluss des 11. VW-Vintage Treffen 2014 machte die Preisverleihung der ausgestellten VW-Autos. Die Kriterien zur Bewertung waren wie bei anderen internationalen Auto-Eleganz-Wettbewerben Originalität, Karosserie, Innenausstattung wie Teppiche, Sitze, Handschuhfach, Tacho, Schiebedach und Lenkrad, Motor, Felgen, Reifen und Zubehör, mechanische und elektrische Funktionalität und Lackierung.

Dabei gewann der Kübelwagen von 1944 den Preis des besten Autos der Veranstaltung. Der Preis des Clubs Karmann VW Vintage ging an einen verrosteten, aber originalgetreuen Käfer von 1950. Das alte Auto wurde von seinen verschiedenen Besitzern in seinem Originalzustand verwahrt und bis heute nie aufpoliert. An Originalität kaum zu übertreffen. Der japanische Fotograf Shin Watanabe, Käferliebhaber, wurde extra zum VW Vintage Treffen 2014 eingeladen und vergab den Preis „Lets play“ an einen beigefarbigen VW-Käfer, Baujahr 1968.

Zum Schluss des Events erhielten die Gewinner als Erinnerung eine Bronze-Münze. Eingraviert war der Prototyp VW 30. Ein Traum für jeden VW-Fan. (dmz/as/hl)