Baubeginn des geplanten Nicaraguakanals verzögert sich weiter

Die „geostrategische Bombe Lateinamerikas“ könnte sich zur ökologischen und sozialen Bombe entwickeln – falls es doch noch zum Bau kommt (Foto:  Facebook)

Managua, 26. Oktober 2015 – Der Bau des geplanten Nicaraguakanals kommt weiterhin nicht in Fahrt. Die verantwortliche Firma HKND werde zunächst ein weiteres geologisches und hydrologisches Gutachten anfertigen lassen, kündigte der Chefberater des Megaprojekts, Bill Wild, am Montag in der Zeitung „El Nuevo Diario“ an.

Ursprünglich sollten die Arbeiten an der Wasserstraße zwischen Atlantik und Pazifik bereits im Dezember vergangenen Jahres beginnen. Zuletzt hatte allerdings die britische Unternehmensberatung ERM in einem Gutachten vor erheblichen ökologischen und sozialen Konsequenzen gewarnt.

Für den geplanten Nicaraguakanal müssten im Süden des mittelamerikanischen Landes etwa 27 000 Menschen umgesiedelt werden. Das geht aus einem Umwelt- und Sozialgutachten hervor, das Ende September vorgestellt wurde. Bereits zu Beginn der Bauarbeiten im Dezember war es zu heftigen Protesten gekommen. Dabei waren vier Menschen ums Leben gekommen. Rund 50 Demonstranten wurden damals verletzt.

Das chinesische Unternehmen HKND will neben dem Kanal zwei Häfen,einen internationalen Flughafen, Fabriken und eine Freihandelszone errichten. Unklar ist bislang noch, wie das 50 Milliarden US-Dollar schwere Projekt finanziert werden soll.(dmz/hl mit Material von dpa)