Wasserstraße: Die Bauarbeiten am Nicaraguakanal beginnen

 

Seit dem 19. Jahrhundert gibt es Pläne zum Bau der Wasserstraße

Rivas, 22. Dezember 2014 – Ein historischer Moment: Zwischen Atlantik und Pazifik haben die Bauarbeiten am Nicaraguakanal begonnen. Die Regierung erhofft sich einen Wirtschaftsboom, Aktivisten befürchten Umweltschäden und Enteignung. Kritiker bezweifeln zudem, dass das Baunternehmen das Megaprojekt überhaupt stemmen kann.

In Nicaragua haben die Bauarbeiten an dem Kanal zwischen Atlantik und Pazifik begonnen. Die Wasserstraße werde den Warenverkehr zwischen Ost und West erhöhen und Wohlstand nach Nicaragua bringen, sagte der Präsident des verantwortlichen chinesischen Unternehmens HKND, Wang Jing, bei der Einweihung des ersten Bauabschnitts in der Provinz Rivas im Südwesten des Landes.

Neben dem Kanal sollen Häfen, ein internationaler Airport, Fabriken und eine Freihandelszone entstehen. Das zweitärmste Land Lateinamerikas erhofft sich von dem Bau einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Wasserstraße soll dem Panamakanal Konkurrenz machen.

Die Regierung erwarte, dass nach der Fertigstellung fünf Prozent des Welthandels auf den Meeren über den Nicaraguakanal abgewickelt werde, sagte Vizepräsident Omar Halleslevens. Die Wasserstraße werde zur nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung des mittelamerikanischen Landes beitragen.

Naturschützer befürchten Umweltschäden

Der Kanal soll 278 Kilometer lang und zwischen 230 und 530 Meter breit werden. Zwei Schleusen sollen die Wasserstandsunterschiede ausgleichen. Die Fahrt durch die Wasserstraße wird etwa 30 Stunden dauern. HKND rechnet damit, dass jährlich 5.100 Schiffe den Kanal durchqueren. Die Arbeiten sollen Ende 2019 abgeschlossen werden.

Das rund 50 Milliarden US-Dollar (40 Mrd Euro) teure Bauvorhaben ist allerdings umstritten: Naturschützer warnen vor Umweltschäden und Anwohner fürchten Enteignungen. Zuletzt gingen Tausende Bauern gegen den Kanal auf die Straße.

Kritiker bezweifeln zudem, dass das bislang in Infrastrukturvorhaben recht unerfahrene Hongkonger Konsortium HKND zu dem Megaprojekt überhaupt in der Lage ist. Das Unternehmen soll den Kanal bauen und für bis zu 100 Jahre betreiben. (dmz/dpa/ds)