Dutzende Verstöße beim Bau: Panama stoppt Staudamm-Projekt vorerst

 

Kurz vor Bauende des Barro-Blanco-Damms kommen diverse Verstöße ans Licht (Foto: Rocío Otero Murgas / Google)

Panama-Stadt, 9. Februar 2015 – Seit Jahren protestieren indigene Einwohner und Umweltschützer im Westen Panamas gegen den Bau des Staudammes Barro Blanco. Nun, kurz vor Bauende, hat die Regierung das Projekt vorläufig gestoppt. Offenbar hat die Baufirma gegen eine ganze Reihe an Vorschriften verstoßen.

Die Regierung Panamas hat den Bau des umstrittenen Staudammes Barro Blanco im Westen des Landes vorerst gestoppt. In mehreren Fällen sei gegen die Vorschriften aus dem Naturschutzgutachten verstoßen worden, teilte die Umweltschutzbehörde ANAM (Autoridad Nacional del Ambiente) am Montag mit.

Die Vorsitzende der ANAM, Mirei Endara, zählte eine ganze Liste an Verstößen auf. Zum einen gebe es immer noch keine Pläne zum Schutz von archäologischen Funden, etwa von Petroglyphen, so wie es das Nationale Kulturinstitut gefordert hatte. Zudem sei den beantragten Prüfungen zum Umgang mit Erosion und Sedimenten beim Bau des Damms nicht nachgekommen und Vorgaben zum Brandschutz und zur Sicherheit nicht abgestimmt worden. Außerdem seien – ohne jedwede Verträglichkeitsstudien – nicht-metallische Materialen in der Gegend abgebaut und Vegetation zerstört worden. Obendrein sollen Bauarbeiter einfach Abfälle in den Fluss gekippt haben.

Der Stopp kommt für die die Baufirma Generado del Istmo S.A. (Genisa) zu einem ziemlich ungünstigen Zeitpunkt. Laut Ingenieuren ist das Projekt bereits zu 95 Prozent abgeschlossen, wie die Zeitung „La Prensa“ schreibt.

Indigene Einwohner und Umweltschützer protestieren seit Jahren

Der Konflikt um Barro Blanco in der Provinz Chiriquí dauert bereits seit Jahren an. Immer wieder kommt es an der Baustelle zu Zusammenstößen zwischen den indigenen Anwohnern und Sicherheitskräften. Das indigene Volk Ngöbe-Buglé wehrt sich gegen das Projekt, weil es sich in seinen verbrieften Landrechten verletzt sieht. Ein Teils des Ngöbe Territoriums soll durch den geplanten Stausee geflutet werden. Für kommenden Freitag riefen die Organisatoren der Protestbewegung zu einer Demonstration und Straßenblockade auf.

Auch die Vereinten Nationen beschäftigen sich mit dem Fall. Im September 2013 veröffentlichte das UN-Entwicklungsprogramm UNDP die Ergebnisse einer Verträglichkeitsstudie des Projekts. Die Experten kamen zu dem Schluss, dass der Bau des gewaltigen Staudamms keine gravierenden Einflüsse auf die globale Biodiversität habe, wohl aber „reale und wichtige Auswirkungen“ auf die indigene Bevölkerung in der Gegend.

Im Jahr 2012 wurde mit dem Bau des Staudamms begonnen. Das geplante Wasserkraftwerk am Fluss Tabasará soll 28,5 Megawatt Energie produzieren. An der Finanzierung sind auch europäische Institutionen beteiligt, etwa die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) und die niederländische Entwicklungsbank FMO. (dmz/ds mit Material von dpa)

Simulation der Baufirma Genisa: So soll der Mega-Staudamm einmal aussehen, wenn er fertig ist (Foto: Genisa)