Es flattern wieder mehr Monarchfalter durch Mexiko

 

Jeden Herbst fliegen Abermillionen Falter tausende Kilometer von Nordamerika nach Mexiko – und kommen dort immer am Totensonntag an. (Foto: naturepl.com / Ingo Arndt / WWF-Canon)

Mexiko-Stadt, 27. Januar 2015 – Es ist ein einzigartiges Naturphänomen, wenn Millionen von Monarchfalter im Spätherbst ihr Winterquartier im Hochland von Mexiko aufsuchen. In letzten Jahren waren jedoch immer weniger der Tiere gekommen. Nun melden Umweltschützer erstmals wieder eine leichte Erholung des Bestands.

Nach dem Rekordtief im vergangenen Jahr erholt sich die Monarchfalter-Population in Mexiko langsam wieder. Die schwarz-gelben Schmetterlinge bezogen im Westen des Landes auf einer Fläche von 1,13 Hektar ihr Winterquartier, wie die Umweltschutzorganisation WWF am Dienstag mitteilte. Das war ein Zuwachs von 69 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

„Das ist aber immer noch eine sehr geringe Fläche, die zweitkleinste seit rund 20 Jahren“, sagte der WWF-Generaldirektor für Mexiko, Omar Vidal. Zum Vergleich: In der Saison von 1996 bis 1997 bevölkerten die Insekten noch eine Fläche von 18 Hektar. Damals war die Zahl der Falter so gewaltig gewesen, dass sich Äste von Kiefern, Tannen und Zypressen unter ihrem Gewicht bogen.

Die Monarchfalter fliegen jedes Jahr bis zu 4.200 Kilometer von Kanada und den USA nach Mexiko, um in den Kiefern- und Tannenwäldern der Bundesstaaten Michoacán und México zu überwintern. Wie genau die Schmetterlinge ihr Ziel finden, ist nach wie vor nicht genau geklärt.

Leichter Aufwärtstrend: Die Entwicklung der Monarchfalterpopulation seit 1993 (Grafik: WWF)

Aktivisten fordern Schutzprogramme für Monarchfalter

Zuletzt waren allerdings immer weniger Schmetterlinge gekommen. Die Tiere leiden unter Nahrungsmangel in den USA, Abholzung in Mexiko und dem Klimawandel. Der WWF macht vor allem die intensive Landwirtschaft für den Rückgang verantwortlich. In den USA und Kanada, wo die Falter im Sommer leben, seien viele Brachflächen in Acker-Monokulturen umgewandelt worden. Seidenpflanzen, die Hauptnahrung der Raupen, würden durch die dabei verwendeten Pestizide nicht mehr wachsen.

Vergangenes Jahr hatten Schmetterlingsforscher, Schriftsteller und Künstler einen besseren Schutz des Monarchfalters gefordert. In einem Schreiben an die Regierungschefs von Kanada, Mexiko und den USA forderten einen geschützten Korridor entlang der gesamten Route der Schmetterlinge. Zu den Unterzeichnern der Petition zählten etwa der US-Schriftsteller Paul Auster und der schwedische Literaturnobelpreisträger Tomas Tranströmer.

Für die Mexikaner ein Symbol verstorbener Seelen

Die tierische Massenwanderung hat in Mexiko auch eine kulturelle Bedeutung. Die Ankunft der Monarchfalter im Bundesstaat Michoacán fällt mit dem Día de Muertos (Tag der Toten) zusammen, an dem traditionell der Verstorbenen gedacht wird. Für die Mexikaner symbolisieren die schwarz-orangenen Falter die Seelen ihrer Vorfahren, die auf die Erde zurückkehren, um eine göttliche Botschaft zu überbringen.

Dieser Glaube geht bis in prähispanische Zeit zurück. Schon vor der Ankunft der Europäer in Amerika symbolisierten die in Massen auftretenden Flatterer für die indigenen Einwohner die Rückkehr der Seelen ihrer Ahnen. „Drachen des Waldes“ nennen die Indios die orange-schwarzen Flatterer. (dmz/ds mit Material von dpa)