Hoy no circula

 

Autos, die älter als acht Jahre sind, dürfen jetzt an zwei Samstagen nicht fahren – strengere Regeln auch für kommunale Fahrzeuge

Mexiko-Stadt, 21. Juni 2014 – Die Autobesitzer in Mexiko-Stadt sind stinksauer auf ihren Regierungschef Miguel Ángel Mancera und seine Umweltministerin Tanya Müller. Ab 1. Juli gelten strengere Regeln für das städtische Programm „Hoy no circula“ (heute fährt dein Auto nicht), das 1990 eingeführt wurde, um die Luftverschmutzung im Distrito Federal zu reduzieren.

Nicht nur in den sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter machen die Hauptstädter ihrem Ärger massiv Luft. Am Sonnabend demonstrierten sie u. a. mit einem Autokorso und einem Marsch auf dem Paseo de la Reforma gegen die neuen Maßnahmen und taten das, wogegen sie sonst wettern: den Verkehr lähmen. Am Engel der Unabhängigkeit parkten zahlreiche Fahrzeuge im Parkverbot und teilweise in zweiter und dritter Reihe – die Polizei schickte kurzerhand Abschleppwagen, die die Autos an den Haken nahmen. Dabei sei es mehrfach zu „Gerangel“ mit Frauen gekommen, die ihre Fahrzeuge „verteidigten“, hieß es aus der Stadtverwaltung.

Die neuen Regeln

Neuwagen und Hybridautos sowie bis zu zwei Jahre alte Fahrzeuge bekommen ein neues Hologramm (00), mit dem sie unbeschränkt in der Stadt fahren dürfen; Autos, die bis zu acht Jahre alt sind, bekommen ein Hologramm 0 und dürfen ebenfalls weiterhin ohne Einschränkungen jeden Tag in der Stadt fahren.  Die Hologramme 00, 0, 1 und 2 kosten in Zukunft 398 Pesos. Für Hybrid- und Elektrofahrzeuge (exentos) ist das Hologramm kostenlos.

Wer dagegen ein Auto hat, das neun bis 15 Jahre alt ist, muss es ab dem 1. Juli einmal in der Woche und an zwei Samstagen im Monat stehen lassen. Autos, deren Kennzeichen mit ungeraden Nummern enden, müssen jeweils den ersten und dritten Samstag stehen bleiben, die mit geraden Nummern jeden zweiten und vierten.

Besonders schlimm trifft die Maßnahme Autobesitzer, deren Vehikel mehr als 15 Jahre auf dem Buckel haben: Sie müssen es einmal in der Woche und an allen Samstagen stehen lassen. Wie bisher gilt die Einschränkung an bestimmten Tagen abhängig von der letzten Ziffer ihres jeweiligen Kennzeichens.

Auch für Besucher aus anderen Bundesstaaten und dem Ausland, deren Fahrzeuge nicht vom mexikanischen TÜV (Centros de Verificación) verifiziert wurden, bedeutet die neue Regel wesentlich strengere Auflagen. Für sie gilt nicht nur das bisherige Fahrverbot an einem Tag in der Woche. Sie dürfen in Zukunft samstags erst ab 11:00 Uhr in der Stadt unterwegs sein. Für sie gelten in der Woche ansonsten dieselben Regeln wie für die Hauptstädter.

Das reformierte Programm „Hoy no circula“ bringt erstmals auch Einschränkungen für LKW und Busse mit „Placas Federales“ (die besagen, dass sie auch in der Hauptstadt zirkulieren dürfen) und schließt die Fahrzeuge im Besitz des Bundesdistrikts ein, die bisher keinerlei Beschränkungen unterlagen. Nun müssen auch sie einmal in der Woche und einen Samstag im Monat stehen bleiben. Betroffen sind in Zukunft auch die Fahrzeuge des öffentlichen Nahverkehrs, die nun ebenfalls verifiziert werden müssen.

Die Megalopolis-Region umfasst den Bundesdistrikt sowie die Nachbarstaaten Puebla, Tlaxcala, Hidalgo, Morelos und Estado de México mit insgesamt 28 Millionen Fahrzeugen. In diesen Bundesstaaten gibt es inzwischen Centros de Verificación, die aber nicht von allen Autobesitzern genutzt werden. Zum Beispiel in Hidalgo, wo eine halbe Million Fahrzeuge registriert sind, lassen nach Angaben des Umweltministeriums bisher nur vier von zehn Autobesitzern ihr Fahrzeug verifizieren. Der nächste Schritt im Programm „Hoy no circula“ sei die Vereinheitlichung der Bußgelder (Multas), kündigte Mancera an.

Mit den neuen Maßnahmen würden täglich zwischen 272.000 bis 560.000 weniger Fahrzeuge in der Stadt zirkulieren als bisher. Damit erhofft sich die Stadt eine erhebliche Senkung der giftigen Kohlenmonoxidmengen in der Luft, die in den letzten zwei Jahren wieder zugenommen haben und die mehrfach zu Umweltwarnungen (precontingencia ambiental) geführt haben.

Nach Angaben des Umweltministeriums des Bundesdistrikts steigen 63 Prozent der Autobesitzer am Tag ihres Fahrverbots auf den öffentlichen Nahverkehr um; 8,3 Prozent fährt mit dem Taxi, 3,9 Prozent macht Car Sharing, 4,5 Prozent kauft sich ein neues Fahrzeug, um das Verbot zu umgehen​und 13,8 Prozent bleibt zuhause.  (dmz/hl)

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