Kaventsmänner in Acapulco treiben Touristen in die Flucht

 

In Acapulco haben die hohen Wellen teilweise schwere Verwüstungen angerichtet – wie hier am Revolcadero-Strand. (Foto: Solo Acapulco)

Von Herdis Lüke

Acapulco, 4. Mai 2015 – Es hätten wunderbare Tage werden können: Sonne, blauer Himmel, Windstille. Für viele Touristen in Acapulco endete das lange Wochenende jedoch schneller als erwartet. Bis zu zehn Meter hohe Wellen überrollten Strände, schwappten über Straßen und in Häuser. Die Schäden gehen in die Millionen.

Am schlimmsten wüteten die bei uns Deutschen auch als „Kaventsmänner“ genannten hohen Wellen an der Landzunge Pie de la Cuesta, wo auch unsere Leserin Sigrid Bonkowski mit einer Freundin das lange Wochenende vom 1. Mai verbringen wollte. „Wir waren am Strand spazieren und ließen das Wasser unsere Beinumspülen. Die Wellen kamen kerzengerade und prallten ungebremst auf den Strand“, beschreibt Sigrid das „Mar de Fondo“ (Dünung) genannte Wetterphänomen. „Das Donnern der Wellen brachte unser Hotel zum Beben, das Meer riss mehrere Kühlschränke und Kühltruhen fort.“

Die Kaventsmänner werden von Wind weit entfernt vom Ort entfacht, wo sie an Land treffen, und brechen nie auf hoher See. „Es ist keine Springflut, die von Winden direkt am Ort angetrieben wird, und auch kein Tsunami, der von Beben des Meerespodens ausgelöst wird. Hinzu kam jetzt am Samstag auch noch Vollmond“, erklärte ein Sprecher der Nationalen Wasserkommission Conagua. Das Wetterphänomen sucht Acapulco regelmäßig heim, zuletzt im vergangenen September. Aber seit 1930 habe es kein so schlimmes „Mar de Fondo“ mehr gegeben wie an diesem Wochenende.

„Das war so verrückt“, meinte Sigrid, „es herrschte absolute Windstille, alles schien perfekt. Aber am Strand liegen war unmöglich.“

Die Wellen trafen die Strandhütten mit ungeheurer Kraft (Foto: Sigrid Bonkowski)

165 Menschen wurden in Notunterkünfte gebracht

In Barra de Coyuca, an der Landspitze, hat es die Bewohner besonders schlimm getroffen. Ihre einzige Einnahmequelle ist das Fischen und der Tourismus. Hier spülten die zehn Meter hohen Wellen ihre Hütten weg, in denen sie Touristen ihren Frisch gefangenen Fisch kredenzen. Manche Häuser wurden überschwemmt, in der Region wurde die höchste Katastrophenschutzstufe DN III ausgerufen – das Militär rückte zu Rettungs- und Schutzeinsätzen aus. In Guerrero soll der Notstand ausgerufen werden, der auch finanzielle Hilfen für die betroffene Bevölkerung beinhaltet. Die werden sie auch brauchen: Vielen ist nichts geblieben. 165 Menschen wurden in Notunterkünfte gebracht, berichtete der Minister für Zivilschutz in Guerrero, Raúl Miliani Sabido, am Sonntagabend.

Auch die Hotels am offenen Meer haben teilweise schwere Schädten erlitten. Das Meer, das an der schmalsten Stelle der Landzunge nur etwa 50 Meter von der Lagune entfernt ist, schwappte in die Gärten und füllte die Pools mit Meerwasser und und Sand. Das Wasser muss nun abgepumpt und der Pool vom Sand gereinigt werden „Es wird einige Tage dauern, bis wieder alles in Ordnung ist“, meinte eine deutsche Hotelbesitzerin.

Etwas mehr Glück hatten die Hoteliers, die auf der Seite der Lagune ihre Häuser haben. So auch Helmut Kugler. Seine “Quinta Erika” hat keine Schäden davongetragen, nur wenige Gäste seien vorzeitig abgereist, berichtete er der DMZ. „Manche hielten mich für verrückt, als ich nicht am offenen Meer sondern auf der Lagunenseite gebaut habe“, erzählt Kuger und ist froh über seine Entscheidung. Er hat jetzt Zimmer frei für jene, die aus ihren Hotels ausziehen mussten.

Nach den Kaventsmännern gilt es jetzt aufzuräumen (Foto: Sigrid Bonkowski)

25-jähriger Tourist geht trotz Badeverbot ins Meer und stirbt

Auch in Acapulco selbst sorgte die extrem hohe Dünung für Überschwemmungen. Vor allem am Strandabschnitt Costa Azul und Acapulco Diamante, wo mehrere der großen Bettenburgen liegen, traf es die Hotels besonders hart. Die berühmten “palapas“, die palmgedeckten Sonnenhütten, wurden einfach fortgerissen, die Pools mit Meerwasser und Sand überspült. Die Küstenstraße Costera Miguel Alemán und angrenzende Straßen wurden überschwemmt, Autos blieben stecken oder schwammen von Parkplätzen. Selbst die sonst so besonders geschützten Buchten Caleta und Caletilla hatten ungewöhnlich hohen Wellengang. In Puerto Marqués, auf dem Weg zum Flughafen, wurden Restaurants überschwemmt und Strandmobiliar weggeschwemmt. Die Schäden gehen in die Millionen, versichert ist dort – wie in Mexiko allgemein – keiner.

Im Hotel Acapulco Princess in der Zona Diamante am Revolcadero- Stand, der am offenen Pazifik liegt, filmten Touristen von höheren Stockwerken aus, was die Wellen hier anrichteten. Die Aufnahmen von anderen Stellen sind teilweise erschreckend und erinnern in Momenten an den verheerenden Tsunami 2004. Am Revolcadero-Strand zahlte ein 25-jähriger Tourist aus Morelos seinen Leichtsinn mit dem Leben. Er ging trotz Badeverbots ins Meer, wurde von einer Welle unter Wasser gedrückt und ertrank, meldeten die Behörden.

Ihrem Namen als furchtlose Helden machten auch die Felsenspringer von Acapulco alle Ehre. Sie sprangen trotz der hohen Wellen zu den festgesetzten Zeiten 13:30 Uhr – nur die letzte Show um 22:30 Uhr ließen sie aus Sicherheitsgründen ausfallen, bestätigte der Sekretär des Komittees der Felsenspringer-Vereinigung, Jorge Mónico, der Nachrichtenagentur Notimex. Die letzte Show am Sonntag um 21:30 Uhr sei von 1.500 Touristen besucht worden.

Am Montag blieb der Hafen von Acapulco wegen des hohen Wellengangs noch geschlossen. Auch in den nächsten Tagen soll die hohe Brandung anhalten. Das Wetterphänomen betrifft die gesamte mexikanische Pazifikküste. Die Sicherheitskräfte in den Pazifikbadeorten riefen Bevölkerung und Touristen auf, sich von den Stränden fernzuhalten. (dmz/hl/ds)

Auch die Autofahrer an der Costera Miguel Alemán wurden vom Wasser überrascht (Foto: Solo Acapulco)