Staatsanwaltschaft ermittelt wegen blutigen Maya-Rituals Kots Kaal Pato

 

Mit dem Handy wird das blutige Massenspektakel festgehalten. (Foto: Vice)

Mérida, 20. Mai 2015 – In der Ortschaft Citilcum in Yucatán „feiern“ die Bewohner ein bizarr anmutendes Fest: An einem Galgen werden Enten an den Füßen aufgehängt, um ihnen anschließend mit bloßen Händen den Kopf abzureißen. Tierschützer empören sich seit langem über das Ritual aus vergangener Zeit. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Tierquälerei.

Das Maya-Ritual Kots Kaal Pato im Bundesstaat Yucatán, bei dem verschiedene Tiere auf brutale Art und Weise getötet werden, beschäftigt die Staatsanwaltschaft. Nach mehreren Beschwerden hat die Staatsanwaltschaft für Umweltschutz (Procuraduría Federal de Protección al Ambiente, kurz Profepa) am Mittwoch Anzeige wegen Tierquälerei bei den lokalen Behörden in der Ortschaft Citilcum erstattet. Die Tierschutzorganisation Movimiento Animalista Ciudadano de Yucatán hatte auf Change.org zuvor eine Petition gestartet, um die Zeremonie verbieten zu lassen.

Beim Kots Kaal Pato versammeln sich die Familien der Ortschaft – Jung und Alt – einmal im Jahr, um dem blutigen Spektakel beizuwohnen. Zunächst werden an einem Galgen bunte Piñatas aufgehängt, wie man sie von Weihnachten und Kindergeburtstagen kennt. Statt Früchten oder Süßigkeiten beinhalten sie jedoch lebende Tiere, vor allem Leguane und Opossums, welche die Kinder in der Nacht vorher fangen. Die Tiere haben keine Chance zu überleben, im Gegenteil: Wer sie zuerst mit den Stöcken erschlägt, ist der Sieger.

Danach folgt der eigentliche „Höhepunkt“ des Rituals: Am dem Galgen werden Enten („patos“, daher der Name des Festes) kopfüber an den Füßen aufgehängt. Die Teilnehmer an dem Wettbewerb springen in die Höhe und versuchen, den Kopf der Tiere mit den Händen zu fassen zu bekommen und abzureißen. Hat die Ente Glück, bricht ihr Genick und sie ist sofort tot. Falls nicht, kann der Tod minutenlang dauern, während die Menge das Herauströmen des Blutes aus ihrem offenen Hals beklatscht und bejubelt.

Woher das Ritual genau kommt, ist unklar. Wie das Magazin „Vice“ schreibt, können nicht einmal die Ältesten der Gemeinde erklären, warum das „Fest“ begangen wird und welche Bedeutung es hat. „Ich kenne es von meinen Eltern, jene kennen es von ihren Eltern“, zitiert „Vice“ einen alten Mann aus Citilcum. Früher habe die Zeremonie an einem großen Kapokbaum stattgefunden, der jedoch dem Hurrikan Isidoro im Jahr 2002 zum Opfer fiel. Seitdem veranstaltet die Gemeinde das blutige Ritual in einem nahe gelegenen Park. (dmz/ds mit Material von dpa)