Raubüberfall im Park Chapultepec: Oh weh, die Tütchen sind weg!

Blick auf das Schloss Chapultepec zu den besten Zeiten der Lohntüte (Foto: La ciudad de México en el tiempo)

Von Daniel Schlicht

Mexiko-Stadt, 18. Mai 2015 – Im Stadtpark Chapultepec ist einer Diebesbande ein schwarzweißfilmreifer Coup gelungen: Als Gärtner verkleidet marschierten sie ins Kassenhäuschen und erbeuteten sagenhafte 1,6 Millionen Pesos in Bar. Dort pflegt die Verwaltung nämlich eine fast ausgestorben geglaubte Tradition: Die gute alte Lohntüte.

Im Stadtpark Bosque de Chapultepec in Mexiko-Stadt weiß man Traditionen offensichtlich noch zu schätzen. Das Gras trägt klassisch kurz. Der Gärtner trägt klassisch grün. Und das Gehalt trägt der Chef persönlich. Abgezählt und säuberlich sortiert kommt der wohlverdiente Wochenlohn im Tütchen aus Papier, ganz so wie es einst Heinz Rühmann anno 1952 besang.

In dieser Woche bekommen die Parkangestellten jedoch keine Tütchen. Denn die Tütchen sind weg. Gestohlen hat sie eine findige Diebesbande, die offenbar um die althergebrachte Zahlungsmanier der Parkverwaltung – in der sonst so auf Fortschritt bedachten mexikanischen Metropole – wusste. In gärtnergrüner Kluft getarnt marschierten vier Männer durch den Stadtpark Chapultepec, schnurstracks zum Kassenhäuschen, wo die Beute bereits wartete: sagenhafte 1,6 Millionen Pesos (etwa 94.000 Euro) in Bar, einzeln eingetütet in 206 Papierumschlägen.

Humberto Cervantes, Beauftragter der Zahlstelle, hatte am Donnerstagmorgen Dienst, als es an der Tür des Kassenhauses klopfte. Auf Sicherheit bedacht, fragte Cervantes nach dem Grund des unbekannten Besuches, wie er dem „Excelsior“ berichtet. Einer der Diebe erwiderte, er wolle sich nach dem Verbleib seines Lohnes erkundigen. Kaum hatte der Kassenwart die Tür geöffnet, ging alles ganz schnell: Während einer der Männer Cervantes mit einer Waffe bedrohte, sammelte der Rest der Bande die bereitliegenden Umschläge mit dem Geld ein. In weniger als einer Minute war der Spuk vorbei.

Keiner hat etwas von dem diebischen Gärtnerquartett mitbekommen

Bemerkt habe niemand etwas, wie der Kassenwart dem „Excelsior“ sagte. Wie auch, schließlich seien die Männer in grüner Kleidung im Park getarnt gewesen. Selbst der eilig herbeigerufene Sicherheitsdienst „Unidad de Protección Ciudadana (UPC)“ konnte das zu Fuß flüchtende vermeintliche Gärtnerquartett nicht mehr ausfindig machen. Auch die Besucher des „Museo de Historia Natural y Cultura Ambiental“ direkt gegenüber des Kassenhäuschens wollen von dem filmreifen Coup nichts mitbekommen haben.

Das städtische Umweltministerium „Secretaría de Medio Ambiente del DF (Sedema)“, welches die Zahlstelle im Park betreibt, gab sich nach dem Vorfall zerknirscht. Zwar sei man für solche Raubüberfälle tatsächlich versichert. Allerdings zahle die Versicherung selbstverständlich nicht sofort. Damit die rund 200 Arbeiter dennoch nicht leer ausgehen, habe man beschlossen, eine außerordentliche Neuzahlung zu veranlassen.

Ob die neue Zahlung in Tütchen oder per Banküberweisung kommt, ließ die Verwaltung offen. (dmz/ds/hl)