Umweltminister Guerra Abud

Schonung der natürlichen Ressourcen und Kampf gegen Klimawandel haben Priorität in den nächsten Jahren – Ausgleich zwischen ökologie und ökonomie – Alarmstufe rot an den Küsten – Risikoatlas in Vorbereitung

Mexiko-Stadt, 17. Juni – Mexiko gehört weltweit zu den Ländern mit der gröÄŸten Biovielfalt weltweit, doch bei Investitionen in grüne Ideen hat das Land noch groÄŸen Nachholbedarf. ,,Wir müssen hier noch viel aufholen“, erklärte der mexikanische Umweltminister Juan JosÄ© Guerra Abud, in einem Interview mit der Tageszeitung El Universal. Mexikos Wirtschaft wachse und viele Länder seien an Investitionen im Lande interessiert. Dabei müsse ein Ausgleich zwischen ökologie und ökonomie gefunden werden, betonte Guerra Abud.

 

In seiner Umweltpolitik orientiere sich Mexiko am Weltklima-Abkommen der Vereinten Nationen, unterstrich der Ingenieur und Wirtschaftswissenschaftler, der vor seiner Ernennung zum Umweltminister im vergangenen Dezember leitende Positionen bei verschiedenen deutschen Unternehmen in Mexiko innehatte.

Um den Treibhauseffekt zu verringern, sollen bis 2024 die Emissionen um 20 Prozent reduziert werden. 34 Prozent der Energiegewinnung sollen bis dahin aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Bei der Strom- und Energiegewinnung setze Mexiko bisher noch immer auf begrenzte natürliche Ressourcen wie Gas. ,,Unser langfristiges Ziel ist es, bis 2050 50 Prozent der Emissionen im Vergleich zum Jahre 2000 einzusparen“, erklärte der Minister. ,,Das ist eine wirklich schwere Aufgabe, die wir uns da vorgenommen haben“, räumte Guerra Abud ein. Weil 80 Prozent des MethanausstoÄŸes in den Städten produziert würden, habe die Regierung den Fokus seiner Umweltpolitik auf die urbanen Räume gelenkt: Hier müsse in Zukunft die Energie effizienter genutzt und Müll vermieden werden (lesen Sie hierzu auch unseren Bericht ,,Die Zukunft der Menschen wird in den Städten entschieden“).

Im Strategieplan der Regierung zum Klimawandel – der Anfang Juni im Bundesgesetzblatt (Diario Oficial) veröffentlicht wurde – stehe der Schutz des menschlichen Lebens an erster Stelle, erklärte Guerra Abud weiter. Deshalb müssten die Städte auf mögliche Naturkatastrophen vorbereitet werden. Erst in der letzten Woche wurde der erste zehn Kilometer lange Abschnitt des Abwassertunnels Ost (TEO) in Mexiko-Stadt von Präsident Enrique Peıa Nieto eingeweiht. Insgesamt sollen es 62 Kilometer werden. Derzeit wird das gesamte Regenwasser und Abwasser der Hauptstadt noch über den 1967 und 1975 gebauten offenen ,,Canal Grande“ abgeleitet. In der Regenzeit ist der Kanal oft überlastet, weshalb es zu Überschwemmungen kommt. Diese würden sich auch in Zukunft nicht ganz vermeiden lassen. Der Umweltminister hofft, dass das Megabauprojekt bis 2014 fertiggestellt wird.

Für die ländlichen Gebiete sieht der Strategieplan vor, die Bedrohung durch Waldbrände einzuschränken und Trockenheit zu bekämpfen. Um Waldbrände zu verhindern, sollen gut ausgestattete Regionalzentren entstehen, die die Bevölkerung darüber informieren sollen, wie Brände zu vermeiden sind und die im Notfall auch helfen können, kündigte der Minister an. In Tabasco stehe diese Woche die Einweihung des Schleusentors El Macayo auf dem Programm des Präsidenten. Mit dem Tor soll der Fluss Carrizal geschützt werden. Dieses und das TEO-Projekt seien der Anfang einer ganzen Reihe von MaÄŸnahmen, erklärte der Umweltminister.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt nach den Worten des Umweltministers im Schutz der insgesamt 11.000 Kilometer langen Küsten und der Meere Mexikos. ,,Hier sind wir empfindlicher als der Durchschnitt der Länder, der Klimawandel bedroht die Artenvielfalt“, warnte Guerra Abud, ,,die Alarmstufe steht auf Rot“. Um weitere Verschmutzungen oder andere Katastrophen zu vermeiden, arbeite sein Ministerium zusammen mit dem Innenministerium (SeGob), dem Zentrum Mario Molina und dem Nationalen ökologie- und Klimawandelinstitut (INECC) an einem Risikoatlas.

Der 61jährige Guerra Abud ist Mitglied der Grünen Partei Mexikos. Vor seiner politischen Karriere war der Ingenieur und Wirtschaftswissenschaftler als Dozent an öffentlichen Universitäten im Bundesstaat Mexiko tätig. Von 1990 bis 1992 war er Generaldirektor der mexikanischen Niederlassung des deutschen Unternehmens Krone AG. AnschlieÄŸend war er Präsident der Tochtergesellschaft der deutschen Bölhoff AG in Mexiko. (dmz/mik/hl)

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