USA erlauben wieder direkte Fährverbindung nach Kuba

 

Eine Fähre der Betreiberfirma Baja Ferries (Foto: Baja Ferries)

Washington, 6. Mai 2015 – Die Annäherung zwischen den USA und Kuba macht weitere Fortschritte: Die US-Regierung hat nach fast 50 Jahren wieder Lizenzen für direkte Fährverbindungen vergeben, unter anderem auch an eine mexikanische Firma. Allerdings ist noch nicht klar, ob Kuba das günstige Transportmittel für Menschen und Güter auch freigibt.

Die Vereinigten Staaten haben Medienberichten zufolge die ersten direkten Fährverbindungen nach Kuba seit fast einem halben Jahrhundert genehmigt. Die US-Regierung erteilte nach einem Bericht der Zeitung „Sun Sentinel“ mehreren Betreibern eine Lizenz, untere anderem der mexikanischen Firma Baja Ferries.

Baja Ferries bestätigte den Erhalt der Lizenz. Der Anwalt des Unternehmens, Robert Muse sagte, das US-Finanzministerium hätte auch Anfragen von anderen Betreibern genehmigt. Wie die „Sun Sentinel“ weiter schreibt, handelt es sich um Havana Ferry Partner in Fort Lauderdale, United Caribbean Lines Florida in Orlando und Airline Brokers Co. in Miami.

Muse sagte, sein Baja Ferries müsse noch die Genehmigung von der kubanischen Regierung einholen. Er sei zuversichtlich, dass ein Fährbetrieb zwischen beiden Ländern den Handel und das Reisen erheblich steigern könne. „Ich denke, es ist ein weiteres Zeichen dafür, wie ernst es der Regierung Obama mit der Normalisierung der Beziehung zu Kuba ist“, sagte der Anwalt. „Wir gehen nun von der Theorie zu den besonderen Details“.

Das US-Finanzministerium wollte den Zeitungsbericht vorerst nicht bestätigen. Auch aus Havanna gab es keine Stellungnahme dazu.

Sollte tatsächlich wieder eine direkte Fährverbindung zwischen beiden Ländern zustande kommen, würden vor allem die Hunderttausenden Exilkubaner in den USA davon profitieren. Bis zur kubanischen Revolution im Jahr 1959 hatten täglich Fähren zwischen Florida und Kuba abgelegt. US-amerikanische Touristen besuchten Hotels und Casinos in Havanna, Kubaner unternahmen Einkaufstrips in die Vereinigten Staaten. Inzwischen sind die jährlich mehr als 600.000 Reisenden auf deutlich teurere Charterflüge angewiesen. Etwa 80 Prozent von ihnen sind US-Bürger kubanischer Herkunft, die in der Heimat Verwandte besuchen, wie die Nachrichtenagentur AP schreibt. Viele reisen mit Konsumgütern, die im sozialistischen Karibikstaat nicht erhältlich sind – von Babyklamotten bis LCD-Fernsehern.

Beim Amerika-Gipfel im April in Panama-Stadt hatten Obama und Castro den Neuanfang zwischen beiden Ländern jüngst symbolisch mit einem Händedruck besiegelt und sich zu einem Vier-Augen-Gespräch getroffen. Es war die erste längere, persönliche Begegnung zwischen den Präsidenten beider Staaten seit der kubanischen Revolution im Jahr 1959. Zuletzt kamen der damalige US-Präsident Dwight Eisenhower und der kubanische Diktator Fulgencio Batista zusammen – im Jahr 1956, ebenfalls bei einem Kongress in Panama.

Obama sprach anschließend von einer „offenen und ergiebigen Unterhaltung“ mit dem kubanischen Staatschef. Der US-Präsident versprach: „Die Vereinigten Staaten werden sich nicht zum Gefangenen der Vergangenheit machen.“ Der Kalte Krieg sei vorbei. Auch Castro sagte, er hoffe auf eine „zivilisierte Koexistenz“.

Obama und Castro hatten im Dezember die Wiederaufnahme der 1961 gekappten diplomatischen Beziehungen angekündigt. Seitdem sind unter anderem wieder direkte Telefongespräche zwischen beiden Staaten möglich. Demnächst sollen auch wieder Botschaften eröffnet und Reisebeschränkungen aufgehoben werden. Bei vielen weiteren Sanktionen sind Obama allerdings die Hände gebunden, da sie vom US-Kongress beschlossen wurden und nur dieser sie auch wieder aufheben kann. (dmz/ds)