Vatikan entschuldigt sich für Äußerung zur „Mexikanisierung“

 

Blick auf den Petersplatz im Vatikan (Foto: Daniel Schlicht)

Rom, 25. Februar 2015 – Mit seiner kritischen Aussage zum Drogenkrieg hat Papst Franziskus eine Welle der Empörung in Mexiko ausgelöst. Außenminister Meade ließ sogar eine diplomatische Note entsenden. Nun rudert der Vatikan zurück: Der Papst habe auf keinen Fall die Gefühle des mexikanischen Volkes verletzen wollen.

Der Vatikan hat sich für eine Äußerung von Papst Franziskus zur Ausbreitung des Drogenhandels in Argentinien entschuldigt. Franziskus hatte in einem privaten Schreiben an den Leiter einer argentinischen Nicht-Regierungsorganisation vor einer „Mexikanisierung“ Argentiniens gewarnt. Der Papst habe damit auf keinen Fall die Gefühle des mexikanischen Volkes und der mexikanischen Regierung verletzen wollen, schrieb der Staatssekretär des Vatikans, Antoine Camilleri, in seiner Antwort an den mexikanischen Botschafter im Vatikan. Dieser hatte am Montag zum ersten Mal in den 22-jährigen Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl eine diplomatische Note entsandt.

Noch viel weniger könne der von ihm verwendete Begriff als „politische Meinung auf Kosten einer Nation gesehen werden, die sich ernsthaft um die Bekämpfung von Gewalt und deren sozialen Ursachen bemüht“, heißt es in dem Schreiben weiter, aus dem das mexikanische Außenministerium zitiert. Papst Franziskus habe deshalb darauf beharrt, dass auch die mexikanischen Bischöfe die Bemühungen der Regierung „zum Schutz des Friedens und der sozialen Ruhe“ unterstützen.

Papst besorgt über Skandal durch seine private Nachricht

Camilleri betonte, dass der Papst jedoch ernsthaft besorgt sei über „die Eskalation“, die durch die mediale Verbreitung seiner privaten Nachricht entstanden sei. Franziskus hatte den Ausdruck „Mexikanisierung“ in einer E-Mail an seinem argentinischen Freund und Leiter der NGO La Alameda, Gustavo Vera, benutzt. Vera, der sich im Kampf gegen Drogen einsetzt, habe den gleichen Ausdruck zuvor benutzt, hieß es in der Erklärung. Der Papst habe lediglich auf das Problem des Drogenhandels hinweisen wollen, das ganz Lateinamerika betreffe.

Der genaue Wortlaut von Franziskus‘ Nachricht lautete: „Hoffentlich können wir die Mexikanisierung rechtzeitig vermeiden. Ich habe mit einigen mexikanischen Bischöfen gesprochen, und die Situation ist erschreckend“. Die NGO veröffentlichte die Zeilen auf ihrer Homepage.

Außenminister Meade: Beziehungen zum Vatikan haben nicht gelitten

Der mexikanische Außenminister José Antonio Meade wies zurück, dass die guten Beziehungen zwischen Mexiko und dem Vatikan unter dem Vorfall gelitten hätten. „Es gibt keine Entfremdung, die diplomatische Note ist ein ganz normaler Mechanismus zum Dialog“, sagte Meade nach einer Senatssitzung. Mexiko pflege einen engen Austausch mit dem Vatikan über verschiedene Themen und die Note sei eine Möglichkeit zu klären, „was uns Sorge bereitet und wie wir es gemeinsam lösen können“.

Meade hatte am Montag gesagt, man sei über die Äußerung des Papstes traurig und besorgt. Sie stigmatisiere Mexiko, man werde eine diplomatische Note an den Vatikan verfassen. Zudem habe er sich bereits mit dem Apostolischen Nuntius in Mexiko, Christophe Pierre, getroffen, um ihn über das Schreiben zu unterrichten. Auch der Erzbischof von Morelia – aus dem vom Drogenhandel betroffenen Bundesstaat Michoacán – hatte die Äußerungen des Papstes als „pikant“ und „gewagt“ kritisiert.

Mexiko ist das wichtigste Durchgangsland der Region für den Schmuggel von Drogen von Südamerika in die USA und Kanada. Große Kartelle bestimmen das mexikanische Drogengeschäft. Betroffen sind vor allem die nördlichen Bundesstaaten Tamaulipas, Coahuila und Chihuahua sowie die Staaten Sinaloa, Michoacán und Guerrero im Westen. In dem Drogenkrieg sind in Mexiko nach offiziellen Zahlen seit 2006 mehr als 70.000 Menschen ums Leben gekommen, mindestens 22.000 gelten noch als vermisst. (dmz/ds mit Material von dpa)