Verdächtige räumen Mord an Studenten in Mexiko ein

 

Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam am Freitag vor Journalisten in Mexiko-Stadt (Foto: almomento.mx)

Ende September wurden in Mexiko 43 Studenten eines linksgerichteten Lehrerseminars von Polizisten entführt und an Bandenmitglieder übergeben. Lange fehlte jede Spur. Drei Verdächtige haben nun den Mord an den Studenten gestanden.

Mexiko-Stadt, 7. November 2014 – Über einen Monat nach dem Verschwinden Dutzender Studenten im Südwesten Mexikos haben mutmaßliche Mitglieder der kriminellen Organisation «Guerreros Unidos» den Mord an den jungen Leuten eingeräumt. Sie hätten eine größere Gruppe Personen getötet und verbrannt, sagten die drei Verdächtigen nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft vom Freitag im Verhör.

Ende September waren 43 Studenten eines linksgerichteten Lehrerseminars in Iguala im Bundesstaat Guerrero von Polizisten entführt worden. Später wurden sie nach Zeugenaussagen Mitgliedern der Bande «Guerreros Unidos» übergeben. Sie hätten die jungen Leute auf einer Müllkippe nahe der Ortschaft Cocula getötet, ihre Leichen mit Benzin übergossen und in Brand gesteckt, sagten die Verdächtigen nun. Die sterblichen Überreste seien in einen Fluss geworfen worden. Die verkohlten Reste von Knochen sollen nun von einem forensischen Speziallabor in Innsbruck in Österreich untersucht werden, sagte Murillo Karam. Bisher könne die Identität nicht bestätigt werden; die Indizien sprächen jedoch dafür, dass es sich um die vermissten Studenten handele, sagte der sichtlich angegriffene Generalstaatsanwalt auf der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Gezeigt wurden verstörende Filmaufnahmen von Verhören und Arbeiten an der Müllkippe mit den gefundenen Resten.

Bereits vor mehreren Wochen hatten Mitglieder der «Guerreros Unidos» den Mord an den Studenten gestanden und die Ermittler zu Massengräbern geführt. Bei den dort entdeckten Leichen handelte es sich allerdings nicht um die Vermissten.

Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam traf sich in Guerreros Hauptstadt Chilpancingo mit den Angehörigen der Opfern. Er habe ihnen mitgeteilt, dass Ermittler menschliche Überreste und Asche in sechs Tüten gefunden hätten, sagte der Sprecher der Familien, Felipe de la Cruz, der Nachrichtenagentur dpa. «Wir wissen aber nicht, ob es die Jungen sind.»

Der Bürgermeister von Iguala und seine Frau wurden am Dienstag als mutmaßliche Drahtzieher der Tat festgenommen. Offenbar wollte José Luis Abarca verhindern, dass die Studenten eine Rede seiner Frau als Vorsitzende des örtlichen Wohlfahrtsverbands stören.

María de los Ángeles Pineda stammt aus einer Drogenhändlerfamilie mit Verbindungen zum Beltrán-Leyva-Kartell. Sie soll ein führendes Mitglied der «Guerreros Unidos» sein. Nach Einschätzung der Ermittler arbeiten in der Region lokale Politiker, korrupte Polizisten und Verbrecher Hand in Hand. (dmz/hl mit Material von dpa; Foto: www.almomento.mx)