Verteidigungsministerium: Unter den 43 Studenten aus Ayotzinapa war ein Soldat

 

Laut dem Verteidigungsministerium soll sich ein aktiver Soldat unter den entführten und mutmaßliche getöteten Studenten befunden habe. (Foto: Al Momento)

Mexiko-Stadt, 19. Juni 2015 – Fast neun Monate nach den Verschwinden der 43 Studenten aus Ayotzinapa räumt das Verteidigungsministerium ein, dass ein Soldat unter den Vermissten ist. Um wen es sich handelt und was er mit den Studenten zu tun hatte, bleibt unklar. Wollte das Militär die linke Hochschule infiltrieren? Die Angehörigen weisen die Berichte als Lügen zurück.

Unter den 43 im Vorjahr verschleppten und vermutlich getöteten Studenten in Guerrero war ein aktiver Soldat. Das bestätigte das Verteidigungsministerium der Zeitschrift „Proceso“, die eine entsprechende Anfrage über das Informationsfreiheitsgesetz gestellt hatte. Wer der Mann ist und was er mit den Studenten zu tun hatte, blieb unklar. Das Verteidigungsministerium erklärte, es könne die Identität des Soldaten unter den Studenten aus Sicherheitsgründen nicht enthüllen. Es bestehe die Gefahr, dass Angehörige des Mannes angegriffen werden, hieß es in dem Schreiben.

Die Angehörigen der Opfer wiesen den Bericht zurück. „Das ist eine Strategie der Regierung, um gegen unsere Bewegung vorzugehen“, sagte der Sprecher der Familien, Felipe de la Cruz, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. „Für uns ist das eine Lüge.“

Der Bericht von „Proceso“ wirft die Frage auf, ob die Streitkräfte das linksgerichtete Lehrerseminar Ayotzinapa infiltriert hatten. Die Studenten sind politisch aktiv und äußerst konfliktbereit. Behördenvertreter und Politiker hatten die Hochschule mehrfach als „Brutstätte für Guerilleros“ bezeichnet. In den 1970er Jahren studierten einige der bekanntesten Rebellen des Landes an der Universität, unter ihnen der Guerilla-Kommandeur Lucio Cabañas.

Polizisten hatten im vergangenen Jahr im Bundesstaat Guerrero 43 Studenten verschleppt und sie der kriminellen Organisation „Guerreros Unidos“ übergeben. Mehrere Bandenmitglieder räumten ein, die jungen Leute getötet und ihre Leichen verbrannt zu haben. Das Verbrechen rückte die engen Verbindungen zwischen Politikern, Sicherheitskräften und Kriminellen in Mexiko in den Fokus und sorgte für weltweite Proteste.

Die Angehörigen der verschleppten Studenten werfen den Streitkräften vor, bei dem Angriff auf die jungen Männer in der Stadt Iguala nicht gehandelt zu haben. Dass unter den Opfer auch ein Soldat gewesen sein soll, halten sie für absurd. „Heute sehen wir, wie das Militär versucht, die Eltern gegeneinander aufzubringen“, sagte Sprecher De la Cruz. (dmz/ds mit Material von dpa)