Weltreise mit Oldtimer: Heidi Hetzer sucht noch Begleitung für Mexiko bis Südamerika

 

Heidi Hetzer mit ihrem Oldtimer “Hudo” auf der alten Route 66. Für die Etappe durch Mexiko bis Südamerika sucht sie noch eine spanischsprachige Begleitung (Foto: Heidi Hetzer / Instagram)

Von Barbara Munker

 Los Angeles, 26. Juli 2015 – Zusammen sind sie über 160 Jahre alt und haben 45 000 Kilometer hinter sich: Die Berlinerin Heidi Hetzer und ihr Oldtimer “Hudo”. Zur Halbzeit ihrer Weltreise sind sie in den USA. Ihre Route führt sie nach Kanada und durch Mexiko nach Mittel- und Südamerika. Dafür sucht sie noch Begleitung.

Der 85-jährige “Hudo” hat es in seine US-amerikanische Heimat geschafft. Seit einem Jahr chauffiert die Berlinerin Heidi Hetzer den Oldtimer, 1930 in Detroit gebaut, rund um die Welt. “Es läuft wie geschmiert”, versichert die 78-jährige Rallyefahrerin der Deutschen Presse-Agentur. Rund 45 000 Kilometer durch Länder wie die Türkei, den Iran, Russland, China, Malaysia, Australien und Neuseeland liegen hinter dem rüstigen Duo. Am 27. Juli vorigen Jahres war die ehemalige Opel-Händlerin in Berlin gestartet. Nun liegen noch die USA, Kanada, Mexiko, Südamerika und Afrika vor ihr. “Ich will alle fünf Kontinente schaffen”, sagt die resolute Rentnerin.

Für eine der schwierigsten Etappen – drei Monate soll die Tour durch Mexiko und Mittelamerika bis Argentinien dauern – sucht die alleinreisende Weltenbummlerin noch Begleitung. Allerdings muss der Beifahrer oder die Beifahrerin einige Bedingungen erfüllen. Spanisch sprechen, sich mit Internet und Fotografie auskennen und möglichst nicht mehr als 60 Kilo wiegen. “Ich habe Sportsitze im Wagen, da muss man schlank sein”, sagt die drahtige Berlinerin. Mit den kurzen blonden Haaren sieht sie viel jünger aus als Jahrgang 1937. Und je leichter die Last für “Hudo”, umso besser läuft der Oldtimer.

Anfang Juli hatte Hetzer “Hudo” im kalifornischen Hafen Long Beach in Empfang genommen. Er war ihr von Neuseeland im Container über den Pazifik gefolgt. “Rundherum toll” war das bisherige Abenteuer, zieht Hetzer Bilanz. “Es gab wirklich noch keine brenzligen Situationen.” In Laos wollte ihr jemand die Handtasche klauen, doch der Dieb habe nur einen Henkel erwischt, erzählt sie ganz nebenbei.

Auf dem Weg nach China auf einer Bergstraße in 3750 Meter Höhe bei 21 Minusgraden konnte sie die Finger vor Kälte nicht mehr bewegen. Doch solche Strapazen steckt Hetzer locker weg. “In dem ganzen Jahr habe ich nicht eine Tablette genommen”, versichert die Weltreisende.

“Hudo” machte dagegen häufiger schlapp. Im australischen Melbourne musste ein neuer Motor rein. “Wenn es hoch und runter geht muss ich oft anhalten, damit er abkühlen kann.” Aber auf flachen Straßen legt der petrolfarbene Oldtimer mit Berliner Kennzeichen und Werbung für
Brandenburger Würstchen locker 60 bis 80 Stundenkilometer hin. Nahe am Grand Canyon überrundete der Tacho die 100 000-Kilometer-Marke. Nun fängt “Hudo” wieder bei Null an.

“Seine alten Holzfelgen sind ein echter Hingucker”, schwärmt Hetzer von ihrem Weggefährten. Sie treffe ständig auf “fassungslose” Menschen, die Fotos knipsen wollen und sich mit Gastfreundschaft revanchieren, berichtet die Berlinerin. In Laos, wo sie Weihnachten verbrachte, landete sie beim deutschen Botschafter, im US-Staat Utah bot ihr jetzt ein Cowboy einen Schlafplatz auf seiner Ranch an.  Tolle Menschen seien ihr auch in Neuseeland, “dem bisher schönsten Land” auf ihrer Reise, begegnet.

Hetzers Vorbild für die zweijährige Fahrt ist die Rennfahrerin Clärenore Stinnes, die in den 1920er Jahren als erste Frau die Welt mit einem Auto umrundete. Die etwa 48 000 Kilometer lange Tour führte durch 23 Länder. “Ich will fühlen, was diese Frau damals gefühlt hat”, sagt Hetzer. Stinnes sei mit ihrem “Adler Standard 6” auf viel schlechteren Straßen gefahren. Nur mit einem Oldtimer könne sie nun dieses Abenteuer nachvollziehen.

Im Sommer 2016 will die fünffache Großmutter ihr Abenteuer in Berlin wieder beenden. Einen Abschied von ihrem ständigen Begleiter kann sie sich allerdings nicht vorstellen. “Ich bin richtig süchtig nach ‚Hudo‘, ohne den kann ich nicht mehr leben”, sagt Hetzer. “Ich will auf keinen Fall einrosten. Mal sehen, wie es in Berlin weitergeht.”

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