Deutsche Firma putzt Kubas Kapitol für eine neue Ära heraus

 

Das Kapitol in Kubas Hauptstadt Havanna erwacht zu neuem Leben (Foto: Wikipedia)

Von Isaac Risco

Havanna, 17. Juni 2015 – Mitten im US-kubanischen diplomatischen Frühling wird der frühere Parlamentssitz in Havanna für neue Aufgaben fit gemacht. Langsam erwacht das Kapitol wieder zum alten Glanz. Und dazu verhilft ihm auch ein deutscher Unternehmer aus Thüringen. Auch ein Teil der berühmten Uferpromenade „Malecón“ wurde von einem Landsmann restauriert.

Stolz zeigt der Fachmann auf die Nordfassade des Gebäudes, die fast vollständig gereinigt ist. An den wenigen Stellen, die noch nicht renoviert wurden, ist der Unterschied deutlich zu erkennen. “So sah es früher aus”, sagt Michael Diegmann. Das Haus, von Einheimischen einfach “El Capitolio” genannt, war bis vor kurzem einer von eigentlich unzähligen verkommenen Prachtbauten Havannas. Langsam erwacht das Kapitol aber wieder zum alten Glanz.

Diegmann (41) ist einer von bis zu 400 Menschen, die an der Restaurierung des früheren Parlamentssitzes und Wahrzeichens der kubanischen Hauptstadt arbeiten. Der Unternehmer aus dem thüringischen Dingelstädt ist mit seiner Firma MD Projektmanagement seit fast zwei Jahren im Einsatz. Mit einem Trupp von gerade mal acht Mann kümmert er sich um die “Verschönerung” der Außenfassaden.

“Wir geben dem Kapitol ein neues Gesicht”, sagt er. Ihre Arbeit ist zwar einfach erklärt, vor ihnen sind aber viele andere an der Aufgabe gescheitert. Diegmanns kubanische Feintechniker reinigen die einzelnen Steine der Fassade Zentimeter für Zentimeter mit Heißwasserdampf, anschließend werden sie sorgfältig mit einem Spezialmörtel restauriert. Die Mischung, die extra für die Mauern des Kapitols entwickelt wurde, soll die Steine später auch besser vor der tropischen Feuchtigkeit schützen, erläutert Diegmann.

Das Kapitol ist gerade wahrscheinlich die wichtigste Baustelle Havannas. Der klassizistische Bau wurde im Jahr 1929 fertiggestellt, seitdem gilt er als Architekturjuwel in der an schönen Kolonialbauten nicht gerade armen Karibikmetropole.

Das Haus soll dem US-Kapitol in Washington nachempfunden sein – der Hauptunterschied bestehe darin, dass Kubas “Capitolio” eben einige Zentimeter höher sei, scherzt man gerne in Havanna.

In den vergangenen Jahrzehnten verfiel der Prachtbau aber, wie so viele andere imposante Bauten der Stadt. Zwischenzeitlich diente das Kapitol sogar als Touristenattraktion, nachdem es nach der Revolution von 1959 nicht mehr gebraucht wurde.

2011 wurde das Gebäude für das Publikum geschlossen. Damals begannen die überfälligen Renovierungsarbeiten. Im Februar 2013 kündigte Staatschef Raúl Castro sogar an, dass das Haus bald wieder die Nationale Versammlung beherbergen soll.

Ein Datum dafür wurde offiziell noch nicht genannt, viele spekulieren auf einem Termin bereits in diesem Jahr. Das wäre in gewisser Hinsicht auch ein Zeichen für eine neue Ära – nach der im Dezember eingeleiteten Annäherung zwischen dem sozialistischen Karibikstaat und dem früheren Erzfeind USA. Das Kapitol soll laut ursprünglichem Plan 2016 komplett saniert sein.

Diegmanns Arbeit wurde den Kubanern 2007 bekannt. Im November dieses Jahres besuchte er mit seinem ehemaligen Geschäftspartner von der Thüringer Firma Bordstein-Ries eine Handelsmesse in Havanna. Die Behörden interessierten sich für ihre Arbeit und luden beide ein, ihr Können an einem anderen Wahrzeichen Havannas unter Beweis zu stellen – der berühmten, etwa acht Kilometer langen Uferpromenade Malecón.

Von 2008 bis 2012 restaurierte Bordstein-Ries mit Erfolg einen Teil des Malecóns. Diegmann kehrte ein Jahr später mit seiner neuen Firma nach Havanna zurück. Dort pflegt er Kontakt zu Eusebio Leal, dem Chefrestaurator Havannas. Der landesweit beliebte Stadthistoriker gilt als eine Art Schutzengel der Hauptstadt, deren historisches Zentrum 1982 als Unesco-Weltkulturerbe eingetragen wurde.

Leals Herzensangelegenheit ist die Restaurierung der schönen, aber seit Jahrzehnten stark verkommenen Altstadt – eine Herkules-Aufgabe, wie jeder Tourist bezeugen kann. (dmz/dpa/hl)