Iguala: Familien protestieren gegen deutsche Waffenlieferungen

 

Etwa Hundert Demonstranten versammelten sich am 1. Weihnachtsfeiertag vor der deutschen Botschaft in Mexiko-Stadt. (Foto: @fernandeznorona / Excélsior)

 Mexiko-Stadt, 25. Dezember 2014 – Beim blutigen Angriff auf die Studenten in Guerrero sind vermutlich auch Waffen von Heckler & Koch zum Einsatz gekommen. Angehörige der Opfer haben nun vor der deutschen Botschaft protestiert und die Bundesregierung zum Handeln aufgefordert. An Weihnachten gab es in mehreren Gegenden Mexikos Mahnwachen für die Vermissten.

Angehörige der vor rund drei Monaten verschleppten Studenten haben vor der deutschen Botschaft in Mexiko-Stadt einen Stopp der deutschen Waffenlieferungen nach Mexiko gefordert. “Wir rufen die Bundesregierung dazu auf, keine Waffen mehr an den mexikanischen Staat zu verkaufen”, sagte der Sprecher der Opferfamilien, Felipe de la Cruz. Auf einem Transparent war zu lesen: “Eure Waffen haben meine Brüder getötet. Wir wollen sie lebend zurück.” Laut der Agentur Associated Press kamen etwa Hundert Demonstranten zusammen.

Ende September hatten Polizisten im Bundesstaat Guerrero im Südwesten von Mexiko Studenten eines linksgerichteten Lehrerseminars angegriffen und sechs Menschen getötet. Kurz darauf verschleppten die Polizisten 43 Studenten und übergaben sie der kriminellen Organisation Guerreros Unidos. Bandenmitglieder räumten mittlerweile ein, die jungen Leute getötet und verbrannt zu haben.

Bei dem Übergriff sind laut Medienberichten auch Waffen des deutschen Herstellers Heckler & Koch zum Einsatz gekommen. Die mexikanischen Ermittler haben im Zusammenhang mit dem Verschwinden der Studenten 228 Schusswaffen aus Polizeibeständen beschlagnahmt – 36 dieser Waffen waren G36-Sturmgewehre von Heckler & Koch. Das G36 ist auch das Standardgewehr der Bundeswehr. Laut den Ermittlungsberichten wurden für die mutmaßlichen Morde 30 Waffen verwendet, unklar ist allerdings, um welche Typen es sich handelt.

Heckler & Koch macht Ex-Mitarbeiter verantwortlich

Heckler & Koch hatte daraufhin Untersuchungen eingeleitet und Anfang Dezember einen Rechtsstreit mit zwei ehemaligen Beschäftigten beigelegt, die für den Verkauf von Sturmgewehren des Typs G36 nach Mexiko verantwortlich gewesen sein sollen. Das Unternehmen warf den früheren Mitarbeitern vor, Dokumente gefälscht und somit das Bundeswirtschaftsministerium als Kontrollbehörde getäuscht zu haben.

Regulär hätten die Gewehre nicht in die Konfliktregion Guerrero verkauft werden dürfen. Die Bundesregierung hatte im Jahr 2007 den Verkauf von etwa 9.500 Gewehren des Typs G36 an Mexiko genehmigt – allerdings unter der Bedingung, dass diese nicht in die vier Regionen geliefert würden, deren Sicherheitskräfte als besonders korrupt gelten, darunter auch Guerrero. Im Jahr 2010 hatte ein Kamerateam der ARD jedoch berichtet, dass die Gewehre trotzdem in diesen Provinzen eingesetzt würden und Mitarbeiter von Heckler & Koch die dortigen Sicherheitskräfte sogar an der Waffe ausgebildet hätten.

Mahnwachen für vermisste Studenten über Weihnachten

An den Weihnachtstagen machten in mehreren Regionen Mexikos erneut Demonstranten auf das Schicksal der verschleppten Studenten aufmerksam. Der Fall warf einmal mehr ein Schlaglicht auf die engen Verbindungen zwischen Politikern, Sicherheitskräften und Kriminellen in dem Land.

In der Nacht auf den ersten Weihnachtsfeiertag versammelten sich Dutzende Demonstranten nahe der Präsidentenresidenz Los Pinos in Mexiko-Stadt zu einer Mahnwache. “Es fehlen 43 Kommilitonen und Söhne, für uns ist kein Weihnachten”, sagte der Student Omar García.

In Guerreros Hauptstadt Chilpancingo erinnerte ein Weihnachtsbaum mit den Fotos der Vermissten an die jungen Leute. Am Unabhängigkeitsdenkmal in Mexiko-Stadt beteten Gläubige verschiedener Konfessionen für die verschleppten Studenten. Bei Protesten entlang der Autobahn durch Guerrero zeigten Demonstranten Transparente mit der Aufschrift: “Wir haben 43 unerfüllte Weihnachtswünsche, 43 Umarmungen, die nicht ankommen.” (dmz/dpa/ds/hl)