Mexiko-Stadt: Die freundlichen Monster sind los!

 

 Blick auf die Alebrijes auf der Avenida Álvaro Obregón (Fotos: Daniel Schlicht)

Von Daniel Schlicht

Mexiko-Stadt, 19. Dezember 2014 – Finster dreinblickende Katzen, Fische mit Spinnenbeinen und Feuer speiende Reptilien: Wer dieser Tage durch die Colonia Roma spaziert, kann über 200 der sogenannten Alebrijes Monumentales bestaunen. Bis zum kommenden Sonntag bevölkern die farbenprächtigen Kreaturen noch die Avenida Álvaro Obregón.

Es ist schon jedes Mal ein beeindruckendes Spektakel, wenn die Alebrijes Monumentales in ihrer alljährlichen Parade durch die Straßen von Mexiko-Stadt ziehen. Insgesamt 210 Fantasiefiguren in allen möglichen Farben haben Künstler aus ganz Mexiko in diesem Jahr gestaltet – manche furchteinflößend, manche lustig, manche träumerisch, einige auch unergründlich. Was Realität und was Fiktion bei den Kreaturen ist, bleibt dem Betrachter überlassen.

Eigentlich sollte der 8. Umzug der Alejibrijes Monumentales schon im November stattfinden. Wegen der anhaltenden Proteste in der Hauptstadt hatte das Museo de Arte Popular sich aber kurzfristig dazu entschlossen, die Parade auf den vergangenen Samstag zu verlegen.

Woher der Ursprung der Alebrijes stammt, ist nicht eindeutig geklärt. Im mexikanischen Volksmund erzählt man sich mehrere Versionen. Die wohl bekannteste ist die Geschichte über den Künstler Pedro Linares aus Mexiko-Stadt. Er soll der Überlieferung nach in jungen Jahren schwer erkrankt sein. Eines Nachts fand sich Linares, vermutlich im Fieberwahn, an einem wunderschönen Ort wieder. Seine Schmerzen waren verschwunden und ihn überkam ein großes Glücksgefühl.

 „Alebrije! Alebrije!“

Wie aus dem Nichts verwandelte sich plötzlich seine Umgebung und es erschienen ihm fabelhafte Wesen: Esel mit Schmetterlingsflügeln, einen Hahn mit Stierhörnern, ein Löwe mit Hundegesicht und weitere farbenprächtige Tiere. Und immer wieder hörte er sie alle rufen: „Alebrije! Alebrije!“. Nie zuvor hatte er dieses Wort gehört. Als er aus seinem Traum aufwachte, erzählte er seiner Familie davon. Nach seiner Heilung entschloss er sich, die kunterbunten Wesen aus Pappmachée nachzubauen, damit auch der Rest der Welt davon erfahren könne.

Apropos: Alle, die die Parade verpasst haben, haben am kommenden Wochenende noch die Gelegenheit, einen Blick auf die Fabelwesen in ihren bunten Kostümen zu werfen. Bis zum kommenden Sonntag, den 21. Dezember, bevölkern die Alebrijes Monumentales die Avenida Álvaro Obregón. Wer sich traut, sollte unbedingt bei Abend vorbeischauen: Im Mondlicht kommt es einem fast so vor, als würde die eine oder andere Figur tatsächlich zum Leben erwachen. (dmz/ds/hl)

Open-Air-Ausstellung der Alebrijes Monumentales auf der Avenida Álvaro Obregón, Col. Roma.

Vom 13.12. bis 21.12.2014, Eintritt ist frei.

 

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  (Fotos: Daniel Schlicht)