Mindestlohn steigt 2015 um 4,2 Prozent – knapp drei Pesos am Tag

 

Der Mindestlohn steigt, doch viel mehr Pesos haben die meisten Angestellten nicht in der Tasche (Foto: almomento.mx)

Mexiko-Stadt, 28. Dezember 2014 – Ab dem kommenden Jahr wird der tägliche Mindestlohn in Mexiko im Schnitt um 4,2 Prozent angehoben. Viel ist das nicht: Ein einfacher Arbeiter kann sich davon gerade einmal ein Brötchen leisten. Kritiker halten das ganze System für längst überholt und fordern eine Reform.

Der von der Regierung festgelegte Mindestlohn in Mexiko („salario mínimo“) wird 2015 um durchschnittlich 4,2 Prozent angehoben. Berücksichtigt worden sei dabei weitgehend der Kaufkraftverlust des vergangenen Jahres und die voraussichtliche Inflation im nächsten Jahr, teilte die für die Mindestgehälter zuständige Kommission mit.

In der Zona A, zu der unter anderen Mexiko-Stadt, Baja California Norte und Sur, Acapulco, Ciudad Juárez, Guadalajara, Monterrey, Hermosillo, Matamoros, Reynosa und Coatzacoalcos gehören, steigt der Mindestlohn um 2,81 Pesos auf 70,10 Pesos täglich, in der Zone B um 2,61 Pesos auf 66,45 Pesos. Zu Zone B gehören Bundesstaaten wie Aguascalientes, Campeche, Coahuila, Colima, Chiapas, Durango, Guanajuato, Quintana Roo, Hidalgo, Michoacán, Morelos, Nayarit, Oaxaca, Puebla, Querétaro, San Luis Potosí, Sinaloa, Tabasco, Tlaxcala, Yucatán und Zacatecas.

Die Erhöhung des Mindestlohns gilt in Mexiko auch als Referenz für die Mindestlöhne für bestimmte Berufe wie Fabrikarbeiter (etwa 90 Pesos) oder Reporter (etwa 185 Pesos).

Erhöhung kann Kaufkraftverluste nicht ausgleichen

Die wenigsten Angestellten dürfte die minimale Erhöhung jedoch tatsächlich entlasten. Von dem Plus kann sich ein Arbeiter oder eine Köchin in einer der klassischen Fondas gerade mal ein Brötchen kaufen. Für eine Metrokarte in Mexiko-Stadt (3 Pesos), eine Fahrt im Mikrobus (mindestens 5,50 Pesos) oder eine Halbliter-Flasche Trinkwasser (10 Pesos) oder 12 Tortillas (8 Pesos) reicht es schon nicht mehr.

Der Präsident der Kommission, Basilio González, räumte ein, dass die minimale Erhöhung nicht ausreicht, den Kaufkraftverlust auszugleichen. Und er warnte in diesem Zusammenhang vor den gravierenden Folgen: Fast fünf Millionen Arbeiter in Mexiko haben Hypothekenkredite bei den staatlichen Wohnungsbaugesellschaften, die sie nicht mehr bedienen könnten.

Das System „salario mínimo“ gilt als nicht mehr zeitgemäß

Das System der Mindestlöhne in Mexiko ist ein Relikt aus der Revolution (1910-1917). Neben der Regelung von Löhnen und Gehältern dient es auch als Einheit für Strafen und Sanktionen (multas). So sind etwa Strafgelder wie Strafzettel im Straßenverkehr an den Mindestlohn gekoppelt.

In den vergangenen Jahren ist das gesamte System vermehrt in die Kritik geraten. Kritiker bemängeln nicht nur das niedrige Niveau, welches der heutigen Kaufkraft schon lange nicht mehr entspricht, sondern auch die Kopplung an Strafgelder. Die mexikanische Regierung hat eine weitreichende Reform jedoch bislang vermieden, da sie einen immensen bürokratischen Aufwand bedeuten würde. Schließlich müsste dabei etwa auch das Strafgesetzbuch in weiten Teilen erneuert werden. Alle Initiativen im Kongress, mit einer Verfassungsänderung die Mindestlöhne zu entkoppeln, sind daher bislang gescheitert. (dmz/hl/ds; Foto: www.almomento.mx)