Sportjahr 2014: Über allem thronen Deutschlands Weltmeister-Kicker

 

WM-Finale 2014 in einer Berliner Kneipe: In diesem Moment war nicht nur Deutschland im Fußballfieber (Foto: Daniel Schlicht)

Von Jens Marx, dpa

Berlin, 30. Dezember 2014 ­– Olympia in Sotschi, Fußball-WM in Brasilien – und dazu jede Menge andere Höhepunkte. Unbändiger Jubel, sportliche und menschliche Dramen prägten das Jahr 2014. Der WM-Titel für Deutschlands Fußballer steht aber über allem.

Selbst das Empire State Building erstrahlte 2014 in Schwarz-Rot-Gold. Gastgeber Brasilien 7:1 geschlagen, Finale. Und dann: Weltmeister! Joachim Löw und seine Fußball-Nationalmannschaft krönten sich und ein packendes Sportjahr. Eins mit Erfolgen, aber auch Enttäuschungen und einem Dopingskandal für die deutsche Delegation bei den umstrittenen Olympischen Winterspielen in Sotschi. Mit zwei aufsehenerregenden Prozessen in München gegen Uli Hoeneß und Bernie Ecclestone.

Ein Jahr, in dem der FC Bayern mal wieder die Meisterschaft und den Pokal gewann, in der neuen Saison nach dem 14. Spieltag als schnellster Herbstmeister der Bundesliga-Historie feststand und zur alleinigen Macht auf deutschen Plätzen avancierte. Eines, in dem das vermeintliche Tabu-Thema Homosexualität im Fußball durch das Coming-Out von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger endlich gebrochen wurde, die Machenschaften des Weltverbandes FIFA aber weiter für Kopfschütteln sorgten.

Deutsche Leichtathleten triumphierten angeführt von Diskus-Gigant Robert Harting bei der EM – aber das Trikot hielt diesmal. Und Ende des Jahres wurde der Berliner auch noch zum „Sportler des Jahres“ gewählt – neben der zurückgetretenen Ski-Rennfahrerin Maria Höfl-Riesch und der Fußball-Nationalmannschaft.

Die deutschen Schwimmer begeisterten vor heimischem Publikum bei den kontinentalen Meisterschaften in Berlin, wo gegebenenfalls noch einmal Olympische Spiele stattfinden könnten. Der deutsche Sport will eine entsprechende Bewerbung mit der Haupstadt oder Hamburg.

Schumachers Ski-Unfall bewegt Sportler und Zuschauer

Jubel, Freude, Niedergeschlagenheit, Trauer – 2014 war auch ein Jahr der Verluste und des Bangens. Der ehemalige Präsident des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen, starb. Der Tod der Fußball-Legende Alfredo di Stefano löste weltweit Bestürzung aus. Und seit fast einem Jahr kämpft die Formel-1-Legende Michael Schumacher nach Lebensgefahr und monatelangem künstlichen Koma gegen die schweren Folgen seines Skiunfalls in den französischen Alpen.

Sein ehemaliger Teamkollege Nico Rosberg fuhr dagegen erstmals um den WM-Titel – am Ende eines faszinierenden Duells mit Lewis Hamilton musste sich der gebürtige Wiesbadener mit dem zweiten WM-Rang hinter dem Briten abfinden. Für Sebastian Vettel endete eine volle Saison erstmals ohne einen einzigen Sieg. 2015 fährt Vettel für Ferrari – wie einst sein Idol Schumacher.

Dessen Schicksal ließ auch die deutschen Helden von Brasilien nie unberührt. «Den Pokal in Brasilien haben wir auch für ihn gewonnen», sagte Nationalspieler Lukas Podolski einmal nach dem WM-Triumph, der am 13. Juli durch Mario Götzes Tor in der Verlängerung gegen Argentinien perfekt wurde.

Weltmeister im berühmten Maracanã von Rio de Janeiro – eine ganze Nation war im Freudentaumel. „Irgendwann werden wir aufhören zu feiern, aber wir werden immer wieder mit einem Grinsen aufstehen“, sagte Manuel Neuer, der mit seinen großartigen Leistungen und seinem fußballerischen Können einen neuen Torwart-Stil prägte. Er dürfte sehr gute Chancen auf die Wahl zum Weltfußballer des Jahres haben.

DFB-Kicker sorgen für Fußballrausch in Deutschland

„Was wir geleistet haben und wie wir geackert haben, das ist unglaublich. Das zeichnet diese Mannschaft aus. Das ist ein unglaubliches Gefühl“, meinte Spielführer Philipp Lahm nach dem Triumph von Brasilien, von dem neben dem Finalerfolg vor allem das unfassbare 7:1 im Halbfinale von Belo Horizonte gegen den Gastgeber ewig in der Erinnerung bleiben dürfte. Danach erstrahlte das berühmteste Hochhaus der Welt in New York in den deutschen Farben.

Fast wie eine Liebeserklärung las sich der Kommentar der Washington Post zum WM-Titel: „Als immer mehr Deutschland zu den Favoriten zählten, erfasste ein gewisser Optimismus eine notorisch skeptische Nation. Und das explodierte heute Nacht in etwas, was man sehr selten sieht seit dem Zweiten Weltkrieg: eine Welle deutschen Stolzes.“

Auf dem Höhepunkt ihrer Laufbahn erklärten Lahm, DFB- und WM-Endrundenrekordtorschütze Miroslav Klose sowie Abwehrrecke Per Mertesacker ihren Rücktritt aus der DFB-Auswahl. Bastian Schweinsteiger wurde zum neuen Kapitän ernannt, und Erfolgscoach Joachim Löw teilte mir: „Ja, im Moment kann ich mir nichts Schöneres vorstellen, als mit dieser Mannschaft weiterzuarbeiten, sie zur Europameisterschaft nach Frankreich zu führen. Ich bin so motiviert wie am ersten Tag beim DFB.“ Im September wurde Thomas Schneider Nachfolger von Löws Assistent Hansi Flick, der zum DFB-Sportdirektor aufstieg.

Die ersten Schritte auf dem Weg zur EM in 2016 in Land der Grande Nation verliefen allerdings holprig. Zum Abschluss verabschiedeten sich die deutschen Kicker-Elite aber noch mit einem 1:0 in Spanien über den Europameister aus dem Jahr des vierten WM-Gewinns nach 1954, 1974 und 1990. (dpa/dmz/hl; Foto: Daniel Schlicht)