Was der Papst Franziskus 2015 alles zu tun hat

 

Von Annette Reuther und Miriam Schmidt, dpa

Papst Franziskus bringt der katholischen Kirche wieder Sympathiepunkte. Auch bei heiklen Themen wie der Familienpolitik zeigt er sich offen. Doch wie modern wird die Kirche wirklich? Und wie schnell? Ein Ausblick.

Rom, 21. Dezember 2014 – Papst Franziskus ist im März vor zwei Jahren als Reformer angetreten. Im Vatikan sorgt er für so manchen Wirbel, überrascht ständig selbst Vertraute mit neuen Plänen. Bei den Menschen kommt das gut an, bei Audienzen und Besuchen wird er oft wie ein Popstar gefeiert. Auch wenn der Argentinier die katholische Kirche modernisieren will – der Weg ist steinig und lang. Die Baustellen des Papstes im kommenden Jahr:

FAMILIE: „Das größte Thema dürfte kommendes Jahr die Familiensynode werden“, sagte Bernd Hagenkord, Leiter der deutschen Redaktion von Radio Vatikan. Drei Wochen, vom 4. bis 25. Oktober, treffen sich Bischöfe aus aller Welt, um erneut über das Familienbild der Kirche, über Themen wie Homosexualität, Polygamie und die Zulassung Geschiedener zur Kommunion zu diskutieren. Den Weg hatte eine Sonderbischofssynode im vergangenen Oktober bereitet, bei der zwar heiß diskutiert, aber nicht konkret beschlossen wurde, wie die Kirche auf die Lebenswirklichkeit vieler Menschen reagieren soll.

Die Erwartungen sind hoch, dass 2015 Beschlüsse gefasst werden. Doch das ist fraglich. „Ich erwarte mir weniger konkrete Entscheidungen, wie wir das aus der politischen Welt kennen, sondern eher ein Gewinn an Offenheit. Daraus mag sich dann vielleicht auch in Sachen Entscheidung etwas ergeben, aber das ist glaube ich nicht das Wichtige“, sagte Hagenkord. Die Positionen einzelner Bischöfe verschiedener Kontinente sind extrem unterschiedlich. Jedoch gilt allein schon die Tatsache, dass einstige Tabu-Themen auf der Agenda stehen, als Revolution.

REISEN: Auch mit 78 Jahren legt Franziskus ein Arbeitspensum hin, bei dem andere in die Knie gehen würden. So steht gleich zu Beginn des Jahres, vom 12. bis 19. Januar, eine Reise nach Sri Lanka und die Philippinen – das Land mit den meisten Katholiken in Asien – an. Franziskus legt einen Schwerpunkt auf Asien, nachdem sein Vorgänger Benedikt XVI. während seiner Amtszeit nie dort war. Im September wird er dann in den USA zum Weltfamilientag in Philadelphia erwartet. Daneben will der Pontifex drei Länder in Lateinamerika – allerdings dieses Jahr noch nicht seine Heimat Argentinien – und erstmals auch Afrika besuchen. In Europa ist eine Reise nach Frankreich angekündigt, auch Spanien hofft auf einen Besuch. Es deutet nichts darauf hin, dass der Papst 2015 nach Deutschland kommt.

KURIENREFORM: Die dringend nötige Reform der Kurie, der Verwaltung des Vatikans, ist Papst Franziskus ohne zu Zögern angegangen. Sein Ziel: Bürokratie in dem Kirchenstaat abbauen, Strukturen vereinfachen. Im Jahr 2014 hat der Kardinalsrat, der den Pontifex bei Reformen berät, mehrmals getagt, einige Vorschläge wurden umgesetzt – so führte der Papst ein Finanzministerium ein, das für Transparenz sorgen soll, traf eine Reihe von Personalentscheidungen. „Es gibt noch viel zu tun“, sagte der Papst. Es sei ein langsamer und komplexer Prozess, der sich über 2015 hinausziehen werde. Widerstände sind für ihn dabei ganz normal.

FINANZSKANDALE: Bei der Vatikanbank geht der Aufräumprozess weiter. Dabei steht der Prozess gegen zwei Ex-Manager der Bank an, die mit Immobiliengeschäften Millionen in die eigene Tasche gewirtschaftet haben sollen. Ausgerechnet dem Franziskaner-Orden, mit 14 000 Mitgliedern die zweitgrößte Bruderschaft der Welt, droht zudem wegen dubioser Finanzgeschäfte die Pleite. Dabei soll es um Investitionen in ein Hotel mit Blick auf den Petersdom gehen.

DIPLOMATIE: In zahlreichen Krisen und Konflikten mischte sich Papst Franziskus im vergangenen Jahr ein: Der Argentinier warb für Frieden in Nahost, forderte eine gemeinsame Linie gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und vermittelte zwischen den USA und Kuba. Angesichts von Leid und Krieg könne man nicht tatenlos bleiben, meint Franziskus. Auch 2015 dürfte er in diesem Sinne weltpolitisch aktiv sein.

MISSBRAUCH: Die Aufarbeitung der Missbrauchsskandale stehen ganz oben auf der Prioritätenliste des Papstes. Franziskus setzte 2014 neue Gremien ein, traf erstmals Opfer und griff bei neuen Fällen hart durch. Die Aufarbeitung soll 2015 fortgesetzt werden – etwa beim Treffen der Kinderschutz-Kommission im Februar. Und auch der Prozess gegen Ex-Papstbotschafter Josef Wesolowski – den ersten hochrangigen Kirchenvertreter, der sich wegen Missbrauchsvorwürfen verantworten muss – steht im kommenden Jahr im Vatikan an. (dpa/dmz/hl; Foto: www.almomento.mx)